1 Zeit für Liebe

Ich will nur Kuscheln! Eine Odyssee der Liebe

Mein Name ist Adrian Durstbusch. Ich bin 47 Jahre alt; ich bin atheistisch, autistisch und asexuell. Und ich sehne mich nach einer tiefen und innigen Verbindung mit anderen Menschen.

August '14

Morgen ist wieder einer von noch ca. 10.000 gleichen Arbeitstagen. Ich habe Sehnsucht nach starken Gefühlen. Und ich möchte einfach mal ganz fest in den Arm genommen werden.

Es wird Zeit für etwas Neues.

Zeit für Liebe

Was ist das nur für eine Welt, in der man an jeder Straßenecke Sex kaufen kann, aber nirgends eine Umarmung? Ich will keinen Sex. Ich will geliebt werden. Ich suche das Internet ab, ob es nicht doch irgend so etwas gibt. Ich hatte erst nach Escort Service gesucht. Aber das war mir alles viel zu teuer und unsicher. Ich denke, es könnte ja auch einen Kuschelservice geben und tippe das ein. Es gibt tatsächlich einen. In Hamburg, für 90 Euro die Stunde. Mann, so weit weg. Da gibt es aber einen Hinweis auf „Kuschelpartys“ auf der Seite. Nie gehört. Danach gegoogelt, Volltreffer! Es ist in einer Großstadt eine Stunde entfernt, einmal im Monat. Das ist es.

Kuscheltraum 1

Samstag gehts los. Es ist August und brüllend heiß, aber ich will nicht mehr warten. Es sind 5 Männer und 3 Frauen in dem Raum, außerdem das Paar, das die Show anleitet. Sie nennen sich Kuscheltrainer! Sonst Maike und Winfried.

Winfried gibt Anweisung und macht dazu sanfte Musik an. Es gibt ein „Aufwärmprogramm“, und es beginnt mit Blickkontakt. Man soll sich in die Augen sehen! Eine Frau sieht mich die ganze Zeit an! Und wie nett! Sie hört gar nicht mehr auf. Ich bin völlig hingerissen, so etwas habe ich noch NIE erlebt! Sie heißt Sigrid. Hübsch ist sie auch noch. Ich habe ja noch nie richtig über Blickkontakt kommuniziert, und dann gleich so toll! Schiere Begeisterung.

Es gibt "Achtsamkeitsübungen" - was ist das? Wir stehen zu zweit zusammen und ich darf den anderen, es ist ein Mann, irgendwo hinfassen, außer Intimbereich. Er sagt rot, gelb oder grün. Also rot heißt nein, ist klar. Dann sortieren wir uns neu und massieren einander die Füße. Wie ungewohnt. Ein völlig fremder Mensch. Mach ich das richtig?

Es gibt eine Pause mit Snacks, möchte ich jetzt reden? Ich kenn hier doch keinen.

Dann kommt der kuschelige Teil. Eine Mattenlandschaft hat sich breit gemacht, mit Decken und Kissen, bunt und weich. Wir stehen alle am Rand wie die Pinguine vorm Eismeer, wer traut sich?

Wilfried gibt Hilfe. Wir dürfen auf alle Viere gehen und ganz langsam reinschleichen, wie eine Schmusekatze, soll ich mir so vorstellen. Ich habs nicht so mit dem Vorstellen, schleiche trotzdem.

Sigrid ist wieder neben mir - wieder dieser Blick! Jetzt wird es mir doch zuviel und ich wende mich ab. Ich finde eine andere, die mich in den Arm nimmt. Wie schön. Nach zehn Minuten sagt sie „ich will Dich auch noch von hinten“, und sie drückt mich nochmal. Dass jemand MICH umarmen möchte! Freiwillig! Unglaublich! Doch dann verlässt sie den Raum und ist verschwunden.

Und jetzt?

Der älteste Mann heißt Heinz. Er breitet seine Arme aus: „Komm!“ Was für eine wundervolle Geste. Zum ersten Mal im Leben kuschele ich mit einem Mann! Es ist noch ein dritter mit im Bunde und wir kuscheln zu dritt. Es wird ein unvergessliches Bild: Drei Männer liegen auf einem Haufen, die Leiterin kommt tatsächlich mit einer Regenbogenfahne und fächelt uns Luft zu.

Ich weine vor Freude. So viel Liebe!

In den folgenden drei Wochen kann ich auf Kommando weinen, ich muss nur an den Kuscheltraum denken. Den tiefsten Eindruck hat der Blickkontakt hinterlassen. „In zehn Minuten vom Autismus geheilt“, was für eine Bild-Schlagzeile.

Fetisch Zentrale

Ich möchte ewas ausprobieren, jetzt ist es mir egal. Ich will nicht die nächsten 30 Jahre ohne Liebe auskommen. Eine Bekannte aus der Transenszene hatte mir viel über „BDSM“ (SadoMaso) erzählt, und dass es dabei gar nicht um das Schlagen geht, sondern um Rollenspiele. Man spielt die Rolle des Herrn oder Sklaven, manche finden das geil. Ich nicht. Es bringt mich aber auf eine andere Idee:

Wenn es BDSM-Studios gibt, wo also Leute für Geld eine Rolle spielen: Dann können die doch auch die passende Rolle für mich spielen!

Damit ist die Mission definiert. Über Google finde ich die Fetisch Zentrale und fahre am Mittwoch hin.

Nachdem ich mich nach dem getarnten Eingang totgesucht habe will ich schon aufgeben. Nach drei Versuchen am Handy geht doch noch jemand ran und weist mir den Weg. Gerade gutgegangen. Es gibt tatsächlich ein richtiges Beratungsgespräch, so was ich denn möchte und wen und so. Für mich wäre wohl „Aufklärungsgespräch“ zutreffender. Ich erfahre noch eine Menge über BDSM und die Preise. Es gibt „aktive Damen“, die die Domina spielen, und die man nicht anfassen darf. Und es gibt „passive Damen“, die man auch knuddeln darf und mit denen man auch Sex haben kann. Da ich knuddeln möchte, brauche ich also eine passive Dame. Sie heißt Celina, ist wohl 20 Jahre alt, klein und zart und wunderschön und fast nackt.

Es gibt dort eine ganze Reihe von „Folterkellern“ mit einem Haufen Vorrichtungen, die normale Leute wohl noch nie gesehen haben. Ich brauche die zwar nicht, aber irgendwohin muss man ja. Gemütliche Räume gibt es leider nicht. Immerhin eine Liege für zwei.

Die Frau ist unglaublich nett. Sie plaudert ganz locker mit mir, und mir fällt ein, dass ich für mehr bezahlt habe. Also bestelle ich als nächstes Umarmung und das macht sie sofort.

Ich bin schwer beeindruckt, dass gekaufte Liebe sich so echt anfühlen kann. Sie ist so einfühlsam und freundlich und ruhig, streichelt mich zart, ab und zu ein Küsschen. So liegen wir zusammen auf der Liege und ich erkunde ihren Körper.

Erstaunlicherweise erregt mich das kein bisschen. Es ist einfach nur wunderschön.

Nach meiner Hände-Erkundungstour drehe ich mich um und lasse mich von ihr von hinten drücken, bis die Zeit um ist und döse ein wenig dabei. Danach verabschieden wir uns.

Mit einem wundervollen Gefühl im Herz gehe ich aus dem Laden und strecke beide Arme nach oben: Freiheit!

Erst später fällt mir ein, dass ich ja auch Sex mit der Dame hätte haben können. Ich habe nicht mal daran gedacht!

Biodanza 1

In der Pause vom Kuscheltraum habe ich von den Anderen erfahren, was es noch alles Tolles gibt. Es lagen auch Flyer aus. Ich hatte noch nie von Biodanza gehört. Es schien mir aber ansprechend. Freies Tanzen, häufige Partnerwechsel, keine festen Partner. Man macht es für sich und das Gefühl. Es soll ein bisschen wie Kuscheltraum sein, aber mit einem Schwerpunkt auf Tanzen.

Ich bin doch unsicher und rufe die Lehrerin an. Sie erklärt mir ein Bisschen was, doch ein Satz bleibt hängen: "Es muss nicht gut aussehen, Du machst es für Dich."

Ich hatte die Lust am freien Tanzen erst kurz vorher spontan entdeckt. Ich hatte zuhause Musik gehört und war auf einmal aufgesprungen und losgelegt. Wie aus dem Nichts. Auch so ein Wunder.

Jetzt also als Gruppe. Es ist noch am selben Tag wie der Fetisch-Ausflug in der Großstadt. In einem kleinen Raum sind ca. 6 Männer und 6 Frauen. Der Heinz vom K-Traum ist auch wieder da. Ob die anderen mich hier wollen?

Vor jedem Tanz erklärt Sie etwas, keine Schritte, eher ein Motto, ein Gedanke, und dann tanzt sie es vor. Sie sagt aber auch, dass man es ganz anders tanzen darf, wenn man möchte. Und wenn man gar nicht möchte, darf man einfach Pause machen.

Die Tänze sind interessant, man kann tatsächlich tanzen wie man will! Ein Tanz heißt „verbindet Euch mit der Erde“. Der Rest ist Phantasie.

Es gibt Tänze im großen Kreis mit Anfassen, alleine, zu zweit, zu dritt...

Auch hier wird wieder dieses tolle Blickkontakt-Spiel geübt. Anschauen, tanzen, dann weiter zum nächsten. Wie im Kennenlernrausch. Ich stelle fest, dass die Frauen alle etwas reserviert sind, aber die Männer sehr offen auf mich zugehen. Ein junger großer namens Bernhard ist besonders nett. Heinz natürlich auch. Mit den Frauen werde ich nicht so warm. Zum Schluss sucht man sich einen Partner, legt sich gemeinsam auf eine Matte und schaut in den (gedachten) Nachthimmel.

Ich liege also mit einem völlig fremden Mann auf einer Decke, händchenhaltend, und es gibt schon wieder Freudentränen. Ich sehe einen anderen Mann, der seine Partnerin schon im Arm hat und bin etwas neidisch. Ach, die kennen sich bestimmt.

Ausgerechnet die Frau, die mir von allen am reserviertesten erschien, fragt mich danach, ob ich mit ihr zum Bahnhof spazieren möchte. Überraschung.

Diese drei Dinge passierten in einer Woche. Sie und das, was ich danach erleben durfte, haben mein Leben verändert.

Hier geht es zum 2. Teil!

Sie dürfen gerne einen Kommentar schreiben; Sie können mich auch unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

2 Meine Liebe ist was wert

Biodanza 2

Biodanza ist jeden Mittwoch. Wegen der tiefen Gefühlseindrücke warte ich aber 3 Wochen bis zum nächsten Biodanza. Es ist so super aufregend und schön, es ist fast so, als wenn ich diese Freude einfach länger genießen möchte.

Diesmal ist es in einem größeren Raum. Heinz ist auch wieder da. Er ist 73 Jahre alt, sprüht vor Lebensenergie und nimmt jeden in den Arm.

Am schönsten ist der „Engeltanz“: Ich tanze am Ort, hauptsächlich mit den Armen, und eine andere Person steht hinter mir, faßt mich zart an den Händen und tanzt alles mit. Wie ein guter Engel, der mir den Rücken stärkt. Sie heißt Brigitte. Bei diesem Tanz habe ich wieder Freudentränen. So viel Harmonie und Liebe. Danach träume ich noch wochenlang vom Engeltanz, der für mich war wie ein Weltraumflug mit mir als Luke Skywalker und Brigitte als Prinzessin.

Kuscheltraum 2

Diesmal sind etwas mehr Leute da. Sigrid beachtet mich gar nicht mehr. Vielleicht hat es sie verärgert, dass ich mich abgewandt habe? Es sind aber viele andere neue Gesichter dabei.

Als es ans Kuscheln geht, stelle ich fest, dass viele sehr schnell als Päärchen da liegen und für keinen mehr zugänglich sind. Das ist sehr schade. Ich bin sehr neidisch auf die anderen und weiß nicht so recht, was ich machen soll. Da streckt eine ältere Dame ihren Arm aus. Sie nimmt mich so herzlich in den Arm, als wenn wir uns schon ewig kennen. Ich bin so glücklich.

Biodanza 3

Ich habe das Gefühl, dass keiner so recht mit mir will. Ich kann mir zwar jeden Partner aussuchen, und niemand weist mich zurück. Aber niemand geht von sich aus auf mich zu. Das merke ich deutlich. Diesmal ist eine Frau namens Elke dabei, etwas älter als ich, sie wirkt unsicher. Sie ist mir sofort sympathisch. Die anderen wirken alle so perfekt und unnahbar, und da ist eine Seelenverwandte. Ich bleibe immer in ihrer Nähe und es scheint ihr nicht zu missfallen. Somit geht der Abend schön zu Ende.

Kuscheltraum 3

Diesmal gerate ich an eine Frau aus Lettland. Sie ist nett und gesprächig, was mich aber stört, denn man soll nicht reden beim Kuscheln. Reden stört das Gefühl, sagen sie. Das ist beim Biodanza auch so. Immerhin halten wir es lange Zeit händchenhaltend miteinander aus, bis die Kuscheltrainer zum Wechsel rufen.

Wieder dieses Problem. Am Anfang finde ich noch jemanden, doch dann geht es nicht recht weiter und ich sitze wieder alleine da. Obwohl wieder jemand diese liebe Geste macht - den Arm ausbreiten und mich anstrahlen - kann ich dort nicht recht warm werden. Ich sehe einen anderen Mann auch alleine sitzen. Soll ich zu ihm gehen? Nach ewig langem Überlegen frage ich ihn:“ Möchtest Du so alleine sitzen?“ „Eigentlich nicht“, sagt er. Dann nehme ich ihn in den Arm. Er riecht ganz schön deftig. Aber er bedankt sich hinterher bei mir und ich bin froh, ein gutes Werk getan zu haben.

Nach diesem K-Traum habe ich 3 Wochen lang Bauchschmerzen. So langsam habe ich das Gefühl, dass die Leute mich nicht richtig wollen. Das ist ein altes Ausgrenzungs-Trauma von mir und es ist anscheinend immer noch da. Ich schreibe dem Kuscheltrainer das und er antwortet, dass ich mir keine Sorgen machen soll. Ich sei einfach zu zaghaft. Ich solle mal den Mann und den Krieger rauskehren, dann würde es schon werden.

Ich überlege mir: Im schlimmsten Fall ist es dafür gut, dass ich lerne, diese Ausgrenzung auszuhalten und zu akzeptieren. Also werde ich weiter hingehen. Aber eher um (für mich) zu kämpfen als zu kuscheln.

Biodanza 4

Elke ist diesmal nicht da und wieder habe ich dieses blöde Gefühl: Sie nehmen mich hin, aber sie wollen mich nicht wirklich. Nur Julia, die Lehrerin, nimmt mich in den Arm und sagt „Du bist gewollt!“, als wenn sie meine Gefühle schon kennt.

Hinterher rufe ich Julia an und rede mit ihr. Sie sagt, es wäre nicht so wie ich denke, und ich wäre doch ein liebenswerter Mensch. Und sie sagt, dass Elke in den höchsten Tönen von mir geschwärmt hat, ich wäre der Beste. Und dass ich keine Prozesse habe, was auch immer das heißt. Das macht mir ein bisschen Mut.

Kuscheltraum 4

Die blonde Frau aus Lettland ist wieder da, und sie kommt tatsächlich wieder zu mir! Sie legt ihren Kopf an meine Schulter und spielt zart mit meinen Händen. Das geht so bis zum Schluss. Und nicht nur das. Von überall scheinen Hände her zu kommen, um mich zu streicheln. Ich weiß zum Teil gar nicht, wessen Hände das sind! Ich müsste selbst 5 Hände haben, um all das zurückzugeben. Es ist so wunderschön.

Nach der Veranstaltung kommt sie zu mir „Ich muss Dich noch Mal drücken!“. So was liebes. Ich kann es gar nicht fassen.

Zwei Tage später bekomme ich eine Email von Elana, so heißt die Frau aus Lettland. Sie schreibt, wie schön es mit mir war und dass ich sie „drückfrei“ angenommen habe. Sie meint wohl „druckfrei“? Es gibt also jemanden, der meine zaghafte Art toll findet. Meine Liebe ist was wert.

Biodanza 5

es tauchen immer wieder neue Personen auf. Meistens machen sie einen Tanz mit mir, danach haben sie kein Interesse mehr. Es kann also schon mal nicht an meinem Aussehen liegen. Vielleicht an meiner Tanzerei. Oder ich stinke.

Kuscheltraum 5

Als es in die Kuschelrunde geht, wird sich wie immer im Kreis aufgestellt und ich bin zwischen zwei Frauen. Allerdings hat jede von ihnen auch einen Mann auf der anderen Seite. Als es dann losgeht, sehen beide mich kurz an, drehen sich weg und nehmen den anderen. Na toll.

Also stehe ich auf und schaue mich um, was noch geht. Da ist Elana. Sie ist noch nicht völlig verkuschelt mit ihrem Partner und ich nehme vorsichtig ihre Hand und streichle sie. Dann passiert das Unfassbare: Sie springt sofort auf, führt mich von dem Kuschelhaufen weg, macht zwei Kissen und Decken zurecht - nur für uns beide! - und dann nimmt sie mich fest in den Arm!

Der Rest des Abends ist ein einziges Streicheln und Drücken und Liebkosen. Von wegen drückfrei, ich bin noch nie so schön fest gedrückt worden!

Aufrufe zum Partnerwechsel werden von uns komplett ignoriert. Am Schluss sitzen wir im Kreis und sie hält mich immer noch an der Hand, als wenn wir schon 100 Jahre verheiratet wären. Sie sagt, ich hätte eine schöne Energie. Dabei ist meine ganze Energie dieses Abends die, die sie mir geschenkt hat.

Biodanza 6

Dieser Biodanza läuft in einem anderen Raum „Raum der Stille“, und es ist auch noch eine andere Gruppe bei uns, so dass es etwas eng wird. Wir machen einen „Molekül-Tanz“, der richtig lustig ist. Dazu tanzen wir paarweise Rücken an Rücken, das ist schon sehr interessant. Aber, wenn zwei Päärchen sich näher kommen, macht es "schnapp!" und die Partner sind getauscht. Das ist ein Gewusel und Gelächter! Zum zärtlichen Teil schnappe ich mir die größte Frau im Raum und bin ganz stolz. Die Aufgabe lautet allerdings, Rücken an Rücken zu sitzen, was für mich etwas anstrengend wird. Es gibt ein langes Händchenhalten zu viert mit einem anderen Paar, ich mag das sehr gerne.

Nach dem Tanzen gibt es immer noch eine „Smalltalkrunde“. Wir sitzen auf Decken und jeder hat Knabberzeug mitgebracht (nur gesunde Sachen!).

Die große bleibt den ganzen Abend bei mir und ist richtig nett! Sie macht seit 7 Jahren Biodanza, jede Woche. So lange! Und es ist ihr noch gar nicht langweilig geworden. Sogar im Urlaub geht sie hin. Eine andere namens Sanja interessiert sich für meine Lebensgeschichte. Sie glaubt, ich wäre ein Künstler. Sie sieht mich auch immer so nett an bei den Tänzen. Es ist total schön, dass sich die Menschen hier für mich interessieren.

Dieser Abend hat mich wieder ein bisschen versöhnt. Aber unsicher bin ich immer noch. Ich sehe die tiefe Harmonie, in der andere miteinander versinken, und möchte das auch so gerne. Aber wie?

Kuscheltraum 6

Ich denke: Nach dem wundervollen Erlebnis beim letzten Mal muss doch nun der Absturz kommen.

Elana ist wieder dabei und sie kommt mit einem Mann zusammen, und ich denke: Sie hat nen Freund, das wars.

Aber dann ist sie sofort wieder bei mir! Es wird noch toller als letztes Mal. Wir umarmen uns noch intensiver, und dann kommt die Kuscheltrainerin zu uns und ich denke: „Jetzt ermahnt sie uns, wir sind zu wild!“ Aber nein, sie bittet Elana darum, für alle Musik zu machen, zusammen mit dem Mann, mit dem sie gekommen ist.

Warum mag die mich bloß so?

Ich bin danach im siebten Himmel, zwei Tage später bekomme ich dann wieder meine „Bauchschmerzen“: Eine schwer zu beschreibende Missempfindung in der Magengegend. Es ist eigentlich kein Schmerz, aber doch unangenehm und hartnäckig. Als wenn irgendwas die Energie aus meinem Körper rauszieht. Es plagt mich mit Unterbrechungen seit 30 Jahren, und ich hatte ziemlich lange Ruhe gehabt. Jetzt ist es wieder da und ich denke, dass es wegen Elana ist. Ich denke auch, dass ich das jetzt einfach aushalten und da durch laufen muss.

Biodanza 7

Es taucht ein neuer namens Thorben auf, und er sieht mich wirklich richtig nett an. Ich steh zwar nicht auf Männer, aber dieser ist mir irgendwie sympathisch. Ich lasse mich auf ihn und die Gefühle ein und es wird ein schöner Abend, an dem ich viel mit ihm tanze.

Ein anderer neuer heißt Ansgar. Er ist groß und rund und im Gesicht stachelig. Er bleibt auch öfter übrig, es geht ihm wie mir, weswegen wir dann oft zusammen tanzen. Irgendwann fragt er sogar, ob es mich stört, dass wir so oft zusammen tanzen. Dem geht es echt wie mir.

Biodanza 8

Julia verkündet, dass sie aus der Gruppe jetzt eine geschlossene Gruppe machen will. Totales Unbehagen bei mir. Ich überlege, mit dem Ganzen aufzuhören. Ich fahre eine halbe Stunde eher hin, um es mit ihr zu besprechen. Sie nimmt mich nur in den Arm und schon bin ich überzeugt: Ich bleibe. Diese Frau strahlt so viel Liebe aus, das ist unglaublich. Wo nimmt sie die her?

Es gibt zwei neue Frauen, die beide Hilke heißen. Die eine Hilke bleibt auch öfters übrig, zum ersten Mal beobachte ich das bei einer Frau. Somit lande ich auch öfters bei ihr.

Einmal tanze ich mit einer Frau namens Jil. Ich merke sofort, dass sie nicht angefasst werden möchte. Trotzdem entsteht eine ganz erstaunliche Harmonie bei dem Tanz, nur über Bewegung und Blickkontakt. Wieder was Neues.

Kuscheltraum 7

Wird es Elana mit mir langweilig werden? Das frage ich mich den ganzen Monat vorher. Nein, sie will mich immer noch und es ist nicht langweilig. Sie möchte, dass ich sie zuhause besuche. Sie lebt mit ihrer Mutter zusammen. Ich schüttele nur ganz zaghaft den Kopf. So weit möchte ich nicht gehen. Es ist das erste Mal, das ich Nein sage. Sie bleibt wieder bis zum Schluss an meiner Seite.

Obwohl ich Bauchschmerzen hatte und nein zu ihr sagen musste, ist es immer noch ein wunderschöner Abend.

Elana hat mir an 4 Abenden gezeigt, dass meine Liebe wertvoll ist. Ein Geschenk, dessen Größe sie sich selber wahrscheinlich gar nicht vorstellen kann.

Hier geht es zum 3. Teil!

Sie dürfen gerne einen Kommentar schreiben; Sie können mich auch unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

3 Wollen die mich nicht?

Biodanza 9

Am Anfang eines Tanzabends ist immer der Tanz der Worte: Man soll kurz sagen, wie es einem geht. Ich stelle fest, dass die anderen immer viel lachen bei meinen Beiträgen, aber sich lachen mich nicht aus. Sie finden mich originell. Julia sagt, sie mögen meine Offenheit.

Es gibt einen Tanz, bei dem man sich gegenübersitzt (ja, auch das heißt „Tanz“!) und sich mit einem Teelicht beleuchtet, um das Gesicht des anderen zu erforschen. Nachdem ich mit Margaretha schon dreimal die Rollen gewechselt habe, ruft Julia zum Wechsel auf. Ups.

Biodanza 10

Es gibt einen skurrilen Tanz, bei dem man den Namen des anderen raunt, um seine Zellen aufzuwecken. Danach ein Tanz, bei dem einer den anderen im Arm hält wie ein Baby und ein dritter beide umarmt. Meine beiden Tanzpartner heißen Helga und Ansgar und ich kann mich nicht entscheiden, von wem ich gehalten werden möchte. Ich will auch niemanden kränken. Dann sagt Ansgar: „Na, wo willste hin, zu Mama oder zu Papa?“ Das ist so schön, dass ich wieder weinen muss.

Kuscheltraum 8

Elana ist nicht da. Winfried sagt, dass sie sich mit Kopfschmerzen abgemeldet hat. Schade. Na mal schauen. Ob ich jetzt wieder kämpfen muss? Es ist eine Tanja dabei, die ich von den anderen Abenden schon ein bisschen kenne, obwohl ich noch nichts mit ihr gemacht habe. Beim Vorprogramm gibt es zwei Kreise, und dann soll sich jeder einen Partner suchen. Tanja fragt laut: „Darf der Partner auch aus dem anderen Kreis kommen?“ Komischerweise fühle ich mich augenblicklich gemeint und springe zu ihr hin. So sicher habe ich mich noch nie gefühlt.

Bei der Kuschelrunde sind gleich drei Frauen um mich herum! Auch Tanja gehört dazu. Da ich nur zwei Arme habe, lege ich mich auf den Rücken und habe in jedem Arm eine Frau. Die dritte hat einen anderen Mann gefunden. Tanja sagt: “Du hast es gut,“ und damit hat sie verdammt recht. Erst wollen sie gar nichts von mir wissen und jetzt stehen sie Schlange. Was ist bloß los? Das Leben ist so verrückt. 

Biodanza 11

Ansgar sagt: „Du strahlst aus, dass es Dir gut geht.“ Ich sage: „Plus / Minus“. Er findet das witzig.

Heinz sagt: „Du stellst Dich sehr gut auf die anderen ein“. Ich staune, dass er gleichzeitig tanzen und dabei noch andere beobachten kann.

Die, mit denen ich viel tanze sind: Helga, Hilke, Hilke, Margaretha und Ansgar.

Biodanza 12

Doppelvivencia - ein Feuerwerk der Gefühle:

Zwei Biodanzagruppen tanzen gemeinsam - ein Riesenhaufen! In der anderen Gruppe scheinen fast nur ältere Damen zu sein - paradiesische Zustände! Ja, wirklich. Frauen ab 50 finde ich einfach so liebenswert, so sachte, so sanft... Ach!

Tanja ist auch dabei. Sie tanzt 90 Sekunden mit mir und ich bin restlos verzaubert. Sie strahlt so viel Liebe aus! Ich suche noch später ihre Nähe, aber das ist müßig. Sie will nichts von mir. Das ist ganz normaler Biodanza! Wow!

Leider schaffe ich es auch mit 39 Teilnehmern bei Zweiertänzen übrigzubleiben. Die Leitung hat heute Julias Freund und nun tanzt er mit mir. Er ist sehr einfühlsam. Was müssen die beiden es schön miteinander haben!

Bei einem anderen Tanz wird sich um die Hüften gefasst und zur Musik gewogen und geschwungen. Die Frau direkt neben mir schaut mich mit braunen Kulleraugen an und wackelt derart mit den Hüften, dass es bei mir kribbelt. Das ist auch neu für mich. Ich kann es ein Bisschen zulassen und dann so richtig genießen.

Bei einer anderen Partnerwahl habe ich schon wieder Probleme. Ich gerate an Jil, die buchstäblich die Nase rümpft, mich auf Abstand hält und mich nicht einmal ansieht. So abweisend war noch nie jemand zu mir, das tut ja richtig weh!

Gleich danach eine Kuschelrunde. Julia breitet ihre Arme aus und rettet mich mal wieder. Wie lieb. Es kommt noch eine zweite namens Andrea und kuschelt mich von hinten und es geht mir wieder gut.

Kuscheltraum 9

Tristan sucht immer wieder meine Nähe. Irgendwie irritiert mich das. Ich kann mich nicht so recht darauf einlassen. Liegt es nur daran, dass er ein Mann ist? Er sieht eigentlich nett aus.

Danach: Marga und Rainhard. Marga ist schon im Vorprogramm direkt zu mir gekommen. Sie wollen mich also immer noch, wie schön. Zum Kuscheln ist sie wieder bei mir. Allerdings muss ich sie mit Rainhard teilen. Das geht erstaunlich harmonisch ab. Rainhard streichelt mich fast mehr als Marga. Sie wendet sich mal ihm und mal mir zu, wobei ich das Pech habe, auf der für ihren kaputten Rücken ungünstigen Seite zu liegen. Trotzdem ist es ein schönes Erleben mit Zufriedenheit bei mir, weil es eine funktionierende Dreierkuschelei ist.

Danach: Gerda und der Freudeanfall. Es wird mir ein bisschen langweilig bei Marga und ich schaue mich noch mal um. Die schicke Eva winkt ab. Doch Gerda liegt ganz alleine! Dabei haben wir Männerüberschuss und sie hat selber gesagt, dass sie Männer sehen möchte. Es entsteht ein allgemeines Gerangel, aber ich bin am schnellsten an ihr dran. Wir sind harmonisch und zweisam, und streichele sie so zart wie möglich. Dann lege ich meinen Kopf auf ihr ab und mache es mir gemütlich. Ich genieße einfach nur, und das Glücksgefühl wird immer intensiver, ein irres Kribbeln im Bauch! Ich beschließe, es zuzulassen. Dann passiert es: Das Gefühl ergreift von mir Kontrolle wie ein wilder Dämon und ich flippe total aus. Seufzen, Stöhnen, dann lauthals Lachen und Jubeln schütteln mich komplett durch wie ein umgekehrter Nervenzusammenbruch. Sowas habe ich noch nie erlebt! Als es vorbei ist, fühle ich mich wieder ganz normal an.

Beim Schlussgespräch nenne ich es „Freudeanfall“, was die anderen sehr lustig finden. Anscheinend war es nicht schlimm für sie.

Gerda sagt anschließend: „Danke für das Vertrauen.“ Anscheinend hat es auch ihr gefallen. Erst danach fällt mir auf, wie tief ich ihr vertraut habe. Dabei hat sie eigentlich gar nichts gemacht. Zauberei?

Biodanza 13

Ich beschließe, bei der Partnerwahl nicht lange rumzusuchen, sondern den allerersten Blickkontakt, den ich bekomme, auch zu nutzen. Denn wer mich frühzeitig ansieht, will mich auch, und das ist gerade das, was ich mir wünsche. Vielleicht klappt es dann ja auch besser mit der Partnerwahl.

Die Vivencia wird für mich ein fast reiner Männerabend. Die meiste Zeit bin ich mit dem jungen Ansgar zusammen. Dann kommt noch Michael dazu und wir haben eine richtige „Männerharmonie“ mit wildem Tanzen und gegenseitigem Rumkatapultieren.

Trotzdem ist da immer wieder diese Situation: Julia ruft zur Partnerwahl und keiner schaut mich an. Das ist immer dann, wenn ein Tanz dran ist mit viel Nähe und Harmonie. Dann lassen sie mich links liegen. Das kränkt mich dermaßen, dass es mir den ganzen Spaß verdirbt.

In den nächsten Tagen beschäftigt mich das so, dass ich vor Bauchschmerzen nicht richtig arbeiten kann. Ich möchte es in der Gruppe, im Tanz der Worte sagen, aber ich habe totale Angst, dass sie mich dann als „Psycho“ ansehen und erst recht meiden. ich formuliere im Kopf ein Dutzend Ansprachen. Julia sagte mir schon, dass das Teil der Verarbeitung ist und keine Zeitverschwendung!

Biodanza 14

Ich habe solche Angst, meine Ansprache zu halten, dass ich früher hinfahre und noch mit Julia rede. Sie macht mir Mut.

Dann geht es los und ich stammele meinen Text runter. Ich beschreibe die Situation, dass mich keiner ansieht und dass es sich verletzend anfühlt. Und dass es nur dann ist, wenn es um zweisame Tänze mit Tiefgang geht. Und dass sie bitte nicht gleich antworten sollen, um den Ablauf nicht zu stören. Doch es antworten alle darauf!

Der dicke Ansgar bestätigt mich sofort. Es geht ihm genauso, aber er hat es hingenommen. Dann der ältere Heinz. Er hat die gleiche Ansicht und regt sich richtig auf! Er findet noch viel deutlichere Worte „Das ist kein Biodanza!“ Dann geht es weiter, und es stellt sich heraus, das fast alle dieses Gefühl haben oder zumindest schon mal hatten! Andere bedanken sich herzlich für meinen Mut und die Offenheit. Ich habe eine Riesenwelle losgetreten und fast alle sind dankbar dafür. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.

Die Vivencia selber ist schön, und ich habe die Situation nur einmal, aber ein paar Mal gehen sie wirklich direkt auf mich zu. Es hat also auch ein Bisschen bewirkt.

Auch Julia bedankt sich und sagt, ich hätte den Abend verzaubert. Sie streckt ihre Arme nach mir aus und ich stelle fest, das ausgestreckte Arme das wunderschönste auf der Welt sind.

Kuscheltraum 10

Nach 6 wundervollen Berührungsträumen hintereinander kann mich nichts mehr erschüttern - oder?

Es sind 7 Frauen und 11 Männer da. Keine Elana, keine Tanja, keine Gerda, keine Marga. Ich beschließe, heute nur mit Männern zu kuscheln. Die einzige, die mir noch gefallen könnte, ist Elisabeth, aber ich habe keine Lust zum Kämpfen.

Ich beschließe, mich Thorben zu nähern, doch er schnappt sich - Elisabeth. Na toll.

Dann komme ich zwischen Tristan und Ansgar zu liegen und vergnüge mich dort eine Zeitlang.

Obwohl ich längst nicht mehr so viele Hemmungen gegenüber Männern habe wie am Anfang, fließt einfach keine richtige Energie. Es ist gar nichts blödes, einen netten Mann zu umarmen, das ist, wie wenn man einen guten Kumpel drückt. Aber wenn ich eine Frau drücke, dann kribbelt es richtig toll im Bauch, selbst wenn ich sie gar nicht kenne (oder gerade dann? Hmm.) Schade, ich hatte mir das so einfach vorgestellt.

Ich robbe ein Stück weiter auf der Suche nach neuen Zielen. Da ist der alte Heinz. Ich nehme ihn in den Arm und er fängt an zu reden. Es stinkt ihm, dass die Leute so selektiv sind. Die jungen schönen nehmen die jungen schönen und bilden Päärchen und die kapseln sich total ab. Die Alten werden einfach alleine gelassen. Er hat vollkommen recht und ich stimme ihm zu.

Ich sehe, wie zwei andere ältere Männer verzweifelt versuchen, irgendwo anzudocken. Dann spielt sich eine Szene mit einem dieser jungen Päärchen und dem anderen alten Mann ab. Er will dort andocken und sie machen sich nur über ihn lustig. „Er will Dir ans Bein!“; „Ich beschütz Dich!“; es ist total verletzend.

Danach:

Eigentlich hatte ich es ganz gut mit den Männern, aber Heinzens Frust überträgt sich total auf mich. Ich fahre traurig nach Hause. Ich beschließe, das Problem nächstes Mal vor der Gruppe anzusprechen, als freundlichen Appell, die Arme für jeden zu öffnen, zweisam kuscheln kann man schließlich auch zu Hause.

Kaum zu Hause, öffne ich die Mail, nur eine Zeile von Elana: „Ich bin beim nächsten Mal dabei!“ Das sie mir das extra schreibt! Nach 3 Monaten Funkstille! Das Leben ist so schön.

Aber wann ist bei ihr das nächste Mal? 27. Mai oder 10. Juni? Nach dem verkorksten K-Traum habe ich ein Bedürfnis, sie wieder zu treffen. Also rufe ich sie an.

Sie stellt sich als sehr gesprächig heraus, wir bzw. sie redet fast 2 Stunden bis nachts um 2 Uhr.

Danach bin ich komplett entzaubert. Mein Gefühle sind völlig durcheinander, tiefe Enttäuschung, Angst, Sehnsucht, alles gleichzeitig.

Am nächsten Morgen halte ich es nicht mehr aus und beschließe, dass ich das nun beenden will. Ich möchte Elana aus meinem Herzen verbannen, um wieder inneren Frieden zu gewinnen. Also schreibe ich ihr eine herzzerreißende Abschiedsmail und beschließe, nicht zu dem K-Traum zu gehen, den sie besucht.

Danach muss ich so weinen, wie seit Kindheitstagen nicht mehr. Ich heule mir buchstäblich die Augen aus. Danach kommen die Bauchschmerzen. Und ich hatte geglaubt, Liebeskummer sei für Teenager.

Nach einer Woche sind die Bauchschmerzen vergessen. Was für immer bleibt, ist die schöne Erinnerung. Und dass ich durch mein „Nein“ an Stärke gewonnen habe.

Hier geht es zum 4. Teil!

Sie können mich unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

4 Forschungsreisen

Während meines Urlaubes in Frankreich schreibt Hilke eine Rundmail an die Gruppe. "Wir müssen zuerst für uns selbst sorgen und dürfen zu jedem Nein sagen!" Ich bin anderer Ansicht und hätte fast einen bösen Kommentar rausgehauen. Wie gut, dass ich das nicht gemacht habe. Ich antworte dann ausführlich und mit Liebe, und wieder bin ich der Held des Wortetanzes. Danach maile ich noch mit Hilke hin- und her und bin so im Geiste bei der Gruppe.

Biodanza 15

Ich habe mir gesagt, ich will mich nicht andauernd mit dieser Frage verrückt machen, ob sie mich denn mögen. Einfach die Vivencia machen und fertig.

Es ist dann so harmonisch und schön, aber auch alle lachen mich an und ich wurde genauso oft ausgewählt wie alle anderen. Julia und einige Teilnehmer hatten zu mir gesagt: "Das Gefühl der Ausgrenzung kommt am meisten von Dir selbst." und sie haben recht.

Biodanza 16

Erste Vivencia mit ganz vielen neuen in der Gruppe! Auch diese ist wunderschön, dies liegt auch an den Tänzen, die Julia zum Thema „Verbindung“ ausgesucht hat. Ich fühle mich jetzt in der alten Gruppe gut integriert. Unter den neuen ist Tanja auch dabei.

Bei einem Tanz sind alle im Kreis und immer zwei suchen den Blickkontakt, stürmen aufeinander zu, haken sich ein und drehen wie wild. Als ich mit dem großen Ansgar tanze, hebe ich glatt ab! Allerdings habe ich am nächsten Tag blaue Flecken innen am Arm! Das war es aber wert. Schiere Freude.

In der Smalltalkrunde wird natürlich auch geknuddelt, und ich habe wieder Futterneid. Da kommt mir eine Idee: Ich nehme einfach die Hand von jemand, mal schauen, was passiert. Ich setze mich also zwischen Tanja und Hilke und nehme die Hände. Dann streichelt Tanja mir meine Hand so nett, dass ich noch eine halbe Stunde bleibe. Ich sehe mich einmal um und sehe, dass Hilke nun mit Alex innig umarmt liegt und bin schon wieder neidisch. Dann denke ich: Ich könnte Tanja ja auch so drücken. Aber dann fühle ich mich unsicher und denke: Sie streichelt mir so nett die Hände, und das fühlt sich harmonisch an, da sollte man doch bei bleiben, und: Wenn ich mich nicht umgesehen hätte, wäre ich doch gar nicht auf die Idee gekommen, jemanden zu umarmen. Außerdem hatte ich mich ja auch zu Tanja hingewandt.

Danach fühlt es sich gut an. Wir streicheln uns noch ewig lange und dann fahre ich ganz glücklich nach Hause.

Kuscheltraum 11

Die Ausgangslage ist ähnlich wie beim letzten K-Traum, Es gibt zu viele Männer und nur eine Frau, mit der ich was anfangen kann: Gerda.

Diese Kuschelrunde ist komplett mit verbundenen Augen! Etwas ganz neues. Ich taste mich rein.

Ziemlich schnell habe ich eine Frau im Arm. Wir kommen uns mit Händen und Umarmung näher. Immer wieder habe ich das Bedürfnis, weiter um mich herum zu erkunden, es ist so spannend! Die Frau lasse ich aber bis zum Schluss nicht los, denn sie lässt mich auch nicht los. Sie ist sehr sanft und zurückhaltend, es kann eigentlich nur Gerda sein. Die anderen Arme und Hände kann ich nicht zuordnen. Am Ende bin ich richtig sattgeschmust.

Am Schluss werden die Binden abgenommen! Ich hatte den Abend zwischen Gerda und Tristan verbracht, besser hätte es gar nicht laufen können.

Den Abschlusskreis mache ich gar nicht mehr mit und lege mich allein auf die Matten. („Wir haben ein Kuschelopfer!“)

Gerda verabschiedet sich herzlich von mir und sagt mir noch, dass ich „Hitze“ habe. Es klingt nach Kompliment.

Biodanza 17

Die zweite Runde der neuen Serie. Die Gruppe ist diesmal riesig mit 30 Leuten! Es macht einen Heidenspaß. Das Thema ist wieder „Verbindung“ und das hat sie gut umgesetzt.

Für einen zarten Tanz zu zweit suche ich mir Thorben aus. Mal möchte ich auch einen Mann.

Später bilden 5 einen Kreis und man soll sich mit den Händen begegnen. Die blonde Hilke kommt an und schnappt mich an den Hüften und drückt mich ganz fest an sich! Ich erschrecke mich ein bißchen und sofort kommt „Was kuckste denn so skeptisch?“. Die ist ja völlig außer Rand und Band! Ich lasse es mir aber nicht nehmen nun meinerseits die Regeln zu brechen. Jetzt werden alle im Kreis von mir angekuschelt, umarmt und geknuddelt was das Zeug hält - beschweren tut sich keiner.

Ich tanze auch mit der anderen Hilke und es fühlt sich sehr harmonisch an. Nach der Vivencia sagt sie zu mir, dass es mit mir schön war (freu!).

Später träume ich, dass Gerda und Hilke bei mir zu Besuch sind. Erst reden sie miteinander, dann geraten sie in Streit, fangen an sich zu knuffen und zu zwicken und dann toben sie quer durchs ganze Haus. Ich überlege, ob ich dazwischen gehen muss, aber dann mache ich nichts.

Meine Deutung: Gerda steht für meinen Wunsch nach Nähe, Hilke für die Angst vor Verletzungen. Sie streiten sich immer, aber ich brauche nicht dazwischen zu gehen. Ich kann mich akzeptieren wie ich bin.

Nun zu etwas völlig anderem: CSD in Oldenburg

Ich habe ein glänzendes schwarzes Partykleid an und meinen schwarzen Figurwunder-Blazer. So gebe ich eine gute Messehostess ab, denn ich habe mich bereiterklärt, den Infostand der Selbsthilfegruppe der Transvestiten mit aufzubauen und auch den ganzen Tag da zu bleiben als Ansprechpartnerin für Wissbegierige. Ich treffe viele Bekannte und lerne auch neue Leute kennen und rede richtig viel. Darunter einen netten Italiener namens Antonella. Sie sagt, ich sei sehr nett.

Eine Frau kommt zu unserem Stand und bleibt einfach da, selbstversunken, ohne mit uns zu reden. Manchmal tanzt sie ein bisschen. Sie wirkt ein Bisschen seltsam. Nicki meint, man müsse sie rauswerfen „was sucht die hier?“, ich sage, lass sie doch, sie stört doch nicht. Erst nach Stunden verschwindet sie wieder und - gibt mir ihre Telefonnummer!

Ich muss später die anderen fragen, ob diese Frau behindert oder drogensüchtig war, weil ich das oft nicht unterscheiden kann. Ulli meinte, sie wäre voll mit Alkohol gewesen. Schade.

Biodanza 18

Das Thema ist diesmal „Der Raum, den ich Dir gebe“, das fühlt sich für mich nicht so gut wie „Verbindung“ an, ist aber trotzdem ein schöner Abend. Eine neue namens Freya verzaubert mich ein bisschen, weil sie sehr viel Nähe zulässt. Da ist es wieder, mein seliges Grinsen.

Nach der Vivencia habe ich wieder dieses Kuschelbedürfnis. Alle sitzen nur in Grüppchen und reden! Wie fang ich das bloß an?

Ach ja. Die Sache mit den Händen. Ich fasse den ganzen Mut zusammen, gehe zu Margaretha und nehme ihre Hände. Die Zärtlichkeiten gehen nicht weiter, aber wir kommen in ein nettes Gespräch. Zum Abschied drücke ich sie noch.

Dann probiere ich das gleiche bei Hilke. Immerhin, zum Abschied drücke ich sie einfach ganz besonders fest und lange, und dann sagt sie: „Ach, dieses Umarmen ist doch so schön!“ Na immerhin.

Nächste Testkandidatinnen sind Susanne und Tanja. Auch hier werde ich mit freundlichem Lächeln empfangen, komme aber sonst nicht weit.

Dann naht Julia und rettet mich. Nach 5 Minuten auf ihrem Schoß bin ich tiefenentspannt und lande danach irgendwie bei Tanja, wieder mal. Es endet damit, dass sie ihren Kopf auf meinem Schoß hat und ich sie zärtlich streichele, bestimmt eine halbe Stunde, nebenbei streichel ich auch noch Bernhard und Julia. Ich finde es auch sehr schön so. So habe ich am Schluss doch noch bekommen, was ich wollte.

Ganz am Ende fasse ich sogar noch Mathilde an, aber da merke ich: Einfach nach allem und jedem grappschen funktioniert nicht, das Gefühl muss stimmen. Gar nicht so einfach, das Ganze.

Biodanza 19

Das Thema ist „ich sehe Dich an“, viel mit Blickkontakt. Die blonde Hilke kommt gleich am Anfang auf mich zugestürmt um mich zu drücken! Auch den Rest des Abends ist sie mir sehr zugetan. In der Smalltalkrunde erzählt sie Ansgar und mir ihre Männergeschichten, sie ist ganz offen. Nach dem Smalltalk kuscheln wir sogar noch! Wer hätte das gedacht. Wir bleiben bis zum Aufräumen. Danach drückt sie mich nochmal, wobei Ansgar mich ansieht und sagt: „Dieses Gesicht müsste man fotografieren.“

Tantramassage

Gerda hat mir viel vom Tantra erzählt. Sie geht seit Jahren zu Tantraseminaren, sie ist ein richtiger Fan. Ein Tantraseminar erscheint mir nach langer Überlegung zuviel, nicht wegen dem, was da passiert, sondern weil es gleich ein ganzes Wochenende dauert. Da gibt es aber noch Miene und die Tantramassage. Sie bietet es professionell an, für 150 Euro, ne Menge Geld, aber einmal möchte ich es probieren.

Es beginnt mit Ausziehen (beide!), sie streicht mir ganz zart in Kreisen um den Körper herum und sagt: "Ich wickele das goldene Tantraband um Dich."

Dann darf ich mich auf den Bauch legen und werde nach Strich und Faden verwöhnt. Sie zieht mir langsam ein feines, großes Tuch über den Rücken. Wie schön das kitzelt! Sie reibt mich mit brühwarmen Öl ein und massiert mich durch. Dieses heiße Öl macht mich ganz verrückt!

Dann kommt meine Vorderseite dran. Es wird nichts ausgelassen! Schiere Extase. Die sexuelle Energie ist spürbar und gibt mir noch den Extrakick, ist aber nicht das Wesentliche dabei. Es gibt kein Ziel, keine Erwartung. Ich muss nichts erfüllen, niemanden befriedigen, nicht funktionieren. So hatte Miene es mir vorher erklärt, genauso nehme ich es - und es ist so wunderbar! Dieses Glück! Diese Freiheit! Ich muss die ganze Zeit laut lachen vor Freude und kann gar nicht aufhören zu lachen.

Schiere Wonne.

Miene mag wohl denken, dass ich von Dämonen geritten werde, aber sie ist ja vom Fach und sehr professionell, das muss man schon sagen. Dass auch jemand mit so viel Ausdauer so lieb sein kann - Bezahlung hin oder her - sie gibt sich unglaubliche Mühe.

Mehr Glücksgefühl hätte ich nicht ausgehalten. Noch mehr davon, und es hätte mein Nervensystem in Stücke gerissen!

Eine Viertelstunde nach ihrer Behandlung bin ich immer noch am Lachen, und erst als sie mich anspricht, komme ich herunter. Ganz langsam und wie benommen schleiche ich zum Auto und denke nur: Wenn mich jetzt die Drogenpolizei zu sehen bekommt, gibts Probleme. Ich bleibe noch lange sitzen, bevor ich starte, um diesen tiefen Eindruck auf mich wirken zu lassen. Und auch, um einigermaßen fahrfähig zu werden. Dennoch fühle ich mich stundenlang wie benebelt.

Biodanza 20

Ist noch am selben Tag wie das besondere Tantra-Erlebnis. Also mit vollem Schwung da rein! Es ist nicht bei Julia, sie macht Sommerpause, dafür gibt es einen offenen Abend bei Ralf. Über die Hälfte meiner Gruppe ist auch dabei. Ich sehe Gerda und erzähle Ihr gleich vom Tantra. Auch Hilke ist da und mal wieder Feuer und Flamme für mich. Auch Andrea sehe ich wieder und viele andere.

Zum ersten Mal bin ich von einer Frau richtig angetan. Sie ist so groß und schön! Ich habe nicht mal ihren Namen behalten. Sie muss sich runterbeugen, um mich zu drücken, gluckst aber vor Freude dabei. Wie schön ist das! Einmal hat Ansgar sie, sie passt auch vom Format besser zu ihm, und auch er sieht richtig glücklich aus.

Danach kommt Hilke wieder zu mir gesaust, nimmt mich in den Arm und wackelt mit den Hüften, und wir wackeln gemeinsam. Dann zeigt sie auf jemanden, der uns gegenübersteht: „Und das ist übrigens mein Mann!“ Ich muss wohl ein Gesicht für die Götter gemacht haben, jedenfalls haben alle ihren Spaß.

Biodanza 21

Diesmal ein offener Abend bei Philippa, mit der gleichen Gruppe wie vom letzten Mal. Die schöne ist nicht da, und mein Gefühl ist auch nicht so offen wie letztes Mal und ich gehe es entspannt an. Nach einigen flotten Tänzen kommt „und jetzt suchen wir uns einen Kuschelpartner!“ - wie aus heiterem Himmel! Mir direkt gegenüber ist eine Frau und sie schnappt mich gleich. Ich kenne sie überhaupt nicht, sehe ihr in die Augen und empfinde rein gar nichts. Was mach ich bloß mit ihr? Dann schließe ich die Augen, nehme ihre Hand und erlebe das blaue Wunder! In kürzester Zeit sind wir innig umschlungen und drücken einander so fest, als wenn wir schon 30 Jahre verheiratet sind. Dann werden wir noch zum Tanz zu zweit aufgerufen, und es wird spontan ein Engeltanz mit ihr. Das reicht mir dann doch wieder für Freudentränen - und ich hatte von diesem Abend nichts erwartet! So verzaubert geht der Abend zu Ende. Ich weiß nicht mal, wie sie heißt.

Swingerclub

Ich will was ausfressen - 1 Jahr nach dem Abenteuer in der Fetisch Zentrale. Der Swingerclub ist auf dem Land mitten im Nirgendwo. Es kostet 70 Euro. Die Kleiderordnung ist schwarze Shorts und schwarzes T-Shirt, was ich sehr merkwürdig finde. Das ganze hat eine Kneipenatmosphäre mit sehr vielen Räumen, auch Sauna, Whirlpool und eine Kantine. Oben sind die Räume, wo es zur Sache geht. Ich schaue mir das mal an. Ich habe noch nie Menschen dabei zugesehen, und ich muss mich überwinden, nicht wegzulaufen.

Wie gehts nun weiter? Kein Tanzlehrer oder Kuscheltrainer, der ansagt, was zu tun ist. Ich brauche sehr lange, um mich in eine dieser Smalltalkrunden zu gesellen und jemanden anzusprechen. Kontaktfreudig sind sie hier nicht gerade. Irgendwann wird mir langweilig, ich bin doch nicht zum Reden hergekommen. Todesmutig spreche ich die Leute direkt an. Aber das nützt nichts. Es sind feste Klicken, die gar nichts mit mir zu tun haben wollen. Sie gehen zusammen nach oben und ich schaue noch mal zu. Lange halte ich das nicht aus, dann suche ich das Weite.

Biodanza 22

Wieder die „normale“ Gruppe bei Julia. Jetzt geht's in die lange Gerade, so kommt es mir vor. Vorher war nur Kennenlernen und Rumspielen, jetzt beginnt die eigentliche „Arbeit“ an meiner Seele.

Die blonde Hilke ist nicht da, und Julia verkündet, dass sie uns verlassen und einen eigenen Laden aufmachen wird. Schade. Sie hat die Tür in mein Herz weit geöffnet - wer wird hindurch gehen?

Bei einem schnellen Tanz will ich eine Drehung ausprobieren, nach der ich im Arm des Tanzpartners lande. Ich weiß nicht genau wie - und dann jault Bernhard los wie ein getretener Hund! Das hat ihm wehgetan. Ausgerechnet. Er hatte sich schon immer über Achtlosigkeit beklagt und jetzt auch noch das. Es tut mir so leid. Und doch schaffe ich es, ihn schnell wieder zum Lachen zu bringen.

Dann kommt ein zärtlicher Tanz, und ich komme der anderen Hilke sehr nahe. Es ist wirklich richtig schön mit ihr, und zum Abschied bekommt sie einen Kuss auf die Wange. Das mache ich sonst nie. Langsam aber sicher habe ich über die vielen Vivencias eine Harmonie mit ihr aufgebaut, die am Anfang nicht da war.

Biodanza-Flash-Mob

Wir wollen Biodanza auf offener Straße präsentieren und auch die Zuschauer mit einbeziehen. Eine Biodanzaleiterin namens Britta hat das Ganze vorbereitet. Ich funke eine alte Freundin von mir noch an, dass sie zum Kucken kommt, weil sie dort in der Nähe wohnt. Die erste Überraschung: Sie und die Britta kennen sich! Sie haben sich wohl jahrelang nicht gesehen und treffen nun dank mir wieder aufeinander. Die Vivencia besteht aus 5 Tänzen und ich bin wieder voll im Freudentaumel, das reicht schon.

Danach gehen wir noch ins Café im Grünen, ein wunderschöner Ort. Aus meiner Gruppe sind nur Julia und Hilke dabei. Ich lerne eine Frau kennen, die in dem schönen Viertel wohnt; sie sagt, sie kommt oft mit ihrem Sohn hierher. Sie sieht auch so zufrieden aus und ich bin ein bisschen neidisch auf ihr Leben.

Danach besuche ich alte Freunde zum Brettspielnachmittag. Auf dem Weg dorthin holt mich noch eine Frau aus der Gruppe ein. Wir reden auf dem Weg, sie sieht rund und niedlich aus, zum Abschied drücke ich sie lange und fest.

Obwohl mich den ganzen Tag Schmerzen plagen, behalte ich ihn als einen wunderschönen Tag in Erinnerung, den ich auch genießen konnte.

Später werde ich dieses Jahr als das schönste Jahr meines Lebens bezeichnen. Eine Zeit voller Aufregung und Unsicherheit, aber auch voller Liebe, Freude und Überraschungen.

Doch jetzt bekomme ich ernsthafte gesundheitliche Probleme.

Hier geht es weiter zu Teil 5!

Sie können mich auch unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

5 Zeit der Schmerzen

Irgendwas in meinem Körper dreht völlig durch. Stell Dir vor, Du stehst bei Aldi in der Schlange, jemand schleicht sich an und rammt Dir ein Messer in die Leiste!!! Aber da ist niemand. Schweiß, Angst, Adrenalin - ohne Ziel. Der Schmerz lässt so schnell nach, wie er gekommen ist, doch nach einer halben Stunde passiert das gleiche wieder. In der Notaufnahme sagen sie mir, ich soll halt grammweise Schmerzmittel nehmen. Es hilft kein Bisschen. Ich gehe zum Arzt. Seine Diagnose: "Sie haben Nichts!" In diesem Moment wird das Ganze zum Horrorkabinett. Auch bei Fachärzten nichts als geballte Ahnungslosigkeit. Ich denke täglich über das Sterben nach. Ich wünsche mir, dass die Ärzte einen Rückenmarkstumor finden. Nicht, dass ich Lust auf sowas habe, aber dann würden sie endlich was tun!

Doch, ich bin komplett auf mich allein gestellt. Ich schaue zurück auf mein Leben und stelle fest, wie leicht es war. Und ich merke zu meiner großen Überraschung, dass ich einen starken Lebenswillen habe. Löwenstark. Ich bin jetzt ein Krieger, ein angeschossener Soldat, der einfach weiterrennt. Mich in dieses Schicksal zu geben ist vollkommen ausgeschlossen.

Ich merke, dass Bewegung lindert und gehe stundenlang spazieren. Ich stelle das Internet auf den Kopf und besuche Spezialisten in Wien, Berlin und Heidelberg, aber am Ende muss ich mir selbst helfen.

Es ist nicht die Stärke der Schmerzen, die mich umbringt, es ist die Art der Schmerzen. Es fühlt sich an wie reale, rohe Gewalt. Um dem wenigstens seelisch etwas entgegenzusetzen, melde ich mich beim Kampfsport an. Ich, der jede Art von Gewalt immer strikt abgelehnt hat, treffe mich jetzt jede Woche mit harten Jungs zum Kloppen. Ich bleibe 2 Jahre dabei, schaffe es nie bis zum gelben Gurt, doch diese Lebenserfahrung ist mindestens so bereichernd wie Biodanza, seelisch und körperlich. Es hilft mir wirklich.

Ich bekomme Schmerztherapie, werde mit Medikamenten eingestellt, mache jeden Tag meine Gymnastik und merke so ganz langsam, dass mein Leben immer noch funktioniert. In der Tat, ich habe beim Biodanza nicht ein einziges Mal gefehlt deswegen, denn es lindert unheimlich. Es geht weiter!

Ich war so neugierig wegen dieser verrückten Frau vom CSD und hatte eine Schrott-Mailadresse angelegt, um ihr zu schreiben. Danach das ganze vergessen und nach 14 Tagen wieder reingeschaut.

Voll mit Liebesbriefen... unfassbar...

Hier geht es weiter zu Teil 6!

Sie können mich auch unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

6 Susi

Ich sitze in der Kneipe und Susi ist auch da, die Frau, die sich beim CSD spontan in mich verliebt hat. Jetzt stelle ich fest, dass ich schüchtern bin, und sie offenbar auch. Erst ganz am Schluss kommen wir in ein kurzes Gespräch. Ihre Art zu reden ist einerseits ein bisschen seltsam und andererseits angenehm. Sehr ruhig und bedächtig, als wenn sie sich jedes Wort genau überlegen muss. Das gefällt mir. Zwischendurch hatten wir einander sehr viele Mails geschrieben, sie bemüht sich richtig um mich. Irgendwie ist das lieb.

Biodanza 23

Das Thema ist „Jugend“. Ein Tanz handelt vom Loslösen vom Elternhaus. Er beginnt zu dritt mit verteilten Rollen, dann löst sich das "Kind" von seinen Eltern, tanzt alleine durch den Raum unter den wohlwollenden Blicken seiner Eltern und kommt ab und zu wieder zu ihnen zurück. Meine „Eltern“ sind Helga (endlich wieder dabei!) und Brigitte. Dummerweise trampele ich Michael genau auf seinen wunden Zeh. Ich laufe gleich zu meinen „Eltern“ und sage „ich hab schon wieder einen demoliert!“ - alle Lacher auf meiner Seite!

Biodanza 24

Das ist die erste Vivencia, bei der ich nicht mehr schmerzfrei werde. Dennoch kann ich Freude empfinden und bleibe länger. Tanja offenbart sich beim Tanz der Worte mit ganz schwerwiegenden Problemen. Das hätte ich nie gedacht! Ich glaubte immer, Tanja sei die Zufriedenheit in Person und hab sie schwer beneidet. Dabei hat sie genauso schwer zu tragen wie ich und sogar in ähnlicher Art.

Susi

Vorm Biodanza treffe ich mich heimlich mit Susi. Mein erstes Date mit einer Geliebten! Nur schade, dass es mir körperlich so mies geht, sonst könnte ich mich noch mehr drauf freuen, sowas aufregendes und schönes!

Wir spazieren im Schlosspark, liegen gemeinsam auf der Wiese und gehen danach noch Essen. Sie ist wirklich nett und hat eine sehr liebenswerte, sanfte Art. Wer hätte das gedacht. Einmal möchte sie mich umarmen und ich habe glattweg Nein gesagt. Ich wundere mich über mich und denke: Manchmal ist das Gefühl schlauer als man selber.

Trotz allem kann ich den Nachmittag mit ihr wirklich genießen. Ich bin nahezu schmerzfrei.

Biodanza 25

Diese Vivencia ist so schön wie immer.

Biodanza 26

Diese ist dem Thema „Krieger“ gewidmet, und ich denke: Das ist ja gar nichts für mich. Doch dann spüre ich im Tanz meine eigene Stärke und sehe auch die Stärke der anderen und das gefällt mir dann richtig gut. Von den Frauen beeindrucken mich vor allem Freya und Mathilde als Kriegerinnen, so schöne starke Frauen! Das macht was mit meinem Herz. Später gibt es einen Tanz mit dem Thema „Demut“. Mann soll sich tatsächlich vor jemandem demütig geben, komisches Gefühl, doch dann berührt es mich sehr. Am Schluss eine sehr intensive Begegnung mit Annette. Zum Abschied bedankt sie sich noch!

Nach dem Essen schmuse ich noch mit Julia, sie ist so unglaublich lieb. Ich spüre förmlich die Heilung und gehe schmerzfrei nach Hause.

Biodanza fühlt sich an wie: „jede Woche eine andere Geliebte“.

Biodanza 27

An diesem Tag geht es mir gut. Die Vivencia ist ganz nett, aber gar nicht so aufregend wie manch andere.

Kuscheltraum 12

Außer mir ist eine weitere autistische Frau dabei. Autismus und Kuscheln scheint nicht so unmöglich zu sein, wie die Schulmedizin gerne behauptet. Immerhin ist heute Frauenüberschuss. Es kommt alles anders, als man denkt.

Ich komme zwischen zwei Frauen zu liegen, die ich noch gar nicht kenne. Wir liegen also alle hintereinander als „Löffelchen“, und alle gemeinsam benutzen die eine autistische Frau als Kopfkissen! Ja, sie möchte das so. So kuschelt man also mit 3 Frauen gleichzeitig. Daran ändert sich fast bis zum Schluss nichts. Eine scheint richtig glücklich bei mir zu sein, sie strahlt eine tolle Energie aus. Die andere ist etwas reserviert, aber immerhin läuft sie nicht weg.

Ganz zum Schluss kommt die Autistin dann noch zu mir rüber und ich drücke sie richtig heftig. Ich habe gar keine Hemmungen und spüre die Seelenverwandtschaft.

Im Abschlusskreis hält eine Frau mich immer noch ganz fest, die glüht richtig. Wer hätte das gedacht. Was für ein wundervoller Abend.

Biodanza 28

ist diesmal bei einer anderen Gruppe mit einer anderen Leiterin im Yogazentrum. Es ist eine Anfängervivencia, und es sind auch fast nur Anfänger da, und, wie verabredet, auch Susi. Die vom CSD. Sie sieht urig aus. Ein Rock mit Hosenträgern und ein Hemdchen aus dem 20. Jahrhundert. Ich frage mich, ob sie wohl kurz nach dem Krieg so rumgelaufen sind. Wenn ich mit ihr tanze, kommt keine fühlbare Nähe zustande (ich hatte das gehofft, schade). Wenn wir uns beim Tanzen an den Händen halten, sind ihre Arme so butterweich, die haben nicht mal einen Muskeltonus. Sowas habe ich noch nie erlebt. Man hat durchaus Blickkontakt mit Ihr, sie lächelt freundlich, aber irgendwas ist irritierend.

Wir laufen zusammen zum Bahnhof und gehen noch essen. Sie ist eigentlich eine nette Gesellschaft. Zum Dank für das spendierte Essen drückt sie mir noch einen Kuss auf die Wange. Das fühlt sich so unbeholfen an, als hätte sie noch nie jemanden geküsst.

Biodanza 29

An diesem Tag habe ich am Vormittag eine Spritze mit Schmerzmittel bekommen, wodurch ich eine vollkommen schmerzfreie Vivencia genießen darf. 12 Vivencias sind ein Zyklus, und wenn ein neuer beginnt, werden neue in die Gruppe aufgenommen. Heute beginnt also ein neuer Zyklus mit neuen Teilnehmern, die Gruppe ist riesig. Ich tanze mit einem Mann ziemlich schön, er ist wie ein richtiger Tangotänzer. Die beiden Ansgars wollen auch gerne mit mir tanzen.

Ich komme wieder mit Annette sehr nahe. Wir erfinden gemeinsam neue Figuren, es ist richtig toll. Die schiere Freude.

Beim Essen muss ich vorzeitig aufbrechen, wegen der Bahn, was echt schade ist. Gerade hatte Julia es sich neben mir gemütlich gemacht. Helga möchte mich fahren, aber ich lehne das ab, weil ich sie nicht um den schönen Abend bringen möchte.

Susi 2

Diesmal fahre ich sie besuchen. Bei einer Geliebten im Bett übernachten - einmal will ich das auch ausprobieren!

Sie holt mich abends vom Bahnhof ab und wir laufen zu ihr. Schmerzmäßig geht es mir nicht so gut, und ich möchte ganz viel laufen. Zum Glück ist sie damit einverstanden.

Ihre Wohnung ist *sehr* spartanisch und mehr als ärmlich, auch ein bisschen dreckig. Sie ist tatsächlich arm, aber so zu wohnen, ist bei ihr wohl auch Lebensüberzeugung. Da habe selbst ich mehr Sinn für Gemütlichkeit. Egal. Ich nehme sie, wie sie ist, und sie ist gastfreundlich.

Wir machen zusammen Krankengymnastik (ohne einander zu berühren!) und zeigen uns gegenseitig Übungen. Dann gehen wir ins Bett. Ich habe nicht das geringste Verlangen nach ihr, ich mag ihr nicht mal die Hand reichen. Bald schlafe ich ein. Mitten in der Nacht wache ich mit einer Panikattacke auf! Das liegt wohl und der ungewohnten Umgebung. Immerhin schaffe ich es, ihren Namen zu rufen. Als es abgeklungen ist, fragt sie mich, ob sie mich in den Arm nehmen soll. Sie ist sehr ruhig und verständnisvoll bei der ganzen Sache, und ich lasse es zu und nehme ihre Hand. So haben wir doch noch Kontakt. Dann schlafe ich wieder ein.

Da sie weder Tisch noch Stuhl besitzt, tafeln wir morgens im Bett sitzend an einer Jaffakiste. Sie hat auch keinen Kühlschrank und daher extra wegen mir Aufschnitt gekauft, den ich dann mitnehmen darf. Wir machen einen Spaziergang durch die Siedlung. Die Gesprächsthemen mit ihr sind leider nicht so tiefgängig, wie ich es mir wünsche. Man erfährt wenig von ihr.

Dann ruhen wir uns nochmal aus. Sie geht ins Bad zum Meditieren und ich ruhe mich auf dem Bett aus. Am Schluss wünsche ich mir doch, sie würde herkommen und mich knuddeln. Aber mir das von ihr holen möchte ich auf keinen Fall. Sie kommt nicht.

Dann laufen wir zurück zum Bahnhof. Sie erzählt mir, dass ihr Vater ihr immer Jungenkleidung angezogen hat. Zum Abschied drücke ich sie nochmal ganz fest.

Biodanza 30

Diesesmal beim langsamen Teil sucht Karla mich aus. Sie sieht ziemlich flott aus, mit tiefem Dekollete und so. Und die will nun so einen alten Knochen wie mich. Das ist ja nett. Es ist sehr schön mit ihr.

Biodanza 31

fällt eigentlich aus, aber Tanja macht zuhause eine Party und lädt die ganze Gruppe ein. Sogar Julia ist da. Man soll was tolles zum Essen mitbringen. Tanja bringt immer extra tolle Sachen mit, wie soll ich an das Niveau herankommen? Ich koche eine Kürbissuppe aus eigenem Garten und sie kommt gut an. Ich komme gut zurecht auf der Party, rede mit einigen, fresse mich so durch und kuschele auch ein bisschen mit Julia.

Biodanza 32

Die Vivencia ist schön und freudevoll. Ich suche mir eine schöne große Frau aus und sie sagt, sie hätte mich auch ausgesucht. Nett. Beim Essen setzt sie sich noch zu mir und ich sage: „Irgendwie kommst Du mir bekannt vor. Bist Du von Philippa rübergekommen?“. „Wieso, ich bin doch schon 3 Abende dabei, Du hast doch schon mit mir getanzt!“ Möööp, Fettnäpfchen!

Heinz erzählt mir etwas von Wundern und Gedankenkraft, ich glaube nicht an sowas, aber ich höre ihm wohlwollend zu und nehme ihn in den Arm. Julia hat wohl keine Lust auf die Geschichten und flüchtet in den Kuschelhaufen, der sich gebildet hat. Dabei wollte ich doch mit ihr kuscheln. Ich beschließe, gemeinsam mit Heinz dichter an den Haufen ranzurücken. Heinz fragt, „darf ich rankuscheln?“ und Helga sagt nein. Sie möchte keine Nähe. Was sie nicht davon abhält, die Nähe zu anderen beizubehalten. „Na dann hau ich jetzt eben ab“ und weg ist er.

Ich sitze auch bedröppelt da, die Abfuhr galt ja auch mir. Ich versuche noch, in den Haufen zu kommen, vergeblich. Nicht möglich, ohne die Harmonie zu zerstören, an der ich ja teilhaben will.

Danach spreche ich Julia auf das mit Heinz Erlebte an und sie sagt: „Der ist selber Schuld, der ist zu Hause einsam und lebt das hier weiter.“ Ramms.

Am Ende bin ich doppelt bedient. Zum einen, weil ich selber nicht richtig zum Zuge kam, aber noch viel mehr, weil es Heinz so schlimm erging, und eigentlich ist er doch der Biodanzaprofi. Ich dachte immer, wenn man so toll ist wie er, dann kann man nicht mehr verlieren und jetzt das. Ich komme nicht mehr raus aus dem Grübeln und fühl mich die ganze Woche genauso mies wie er an dem einen Abend.

Meine alte, blöde Unsicherheit ist zurückgekommen. Also: wieder aufstehen, neu anlaufen, nochmal springen.

Kuscheltraum 13

Der zweite Teil im Kuscheltraum läuft immer nach einem ähnlichen Muster ab: Alle Teilnehmer stehen rundherum am Rand der Mattenlandschaft und auf Los gehts los. Die Leute finden sich dann sehr schnell und viele lassen dann auch nicht mehr los und lassen auch keinen anderen mehr ran. Es hat etwas von einer Kampfsituation. So ähnlich wie 20 Hunde und ein Futternapf.

Da ist eine neue, die so hübsch rund ist. Als alle sich zum Kuscheln im Kreis vor die Matten stellen, denke ich: Ich mache so eine leichte Linkskurve an Tanja vorbei und versuche direkt bei der Neuen zu landen. Vielleicht bleibe ich dann an der richtigen Stelle hängen. So viel zu komplizierten Schlachtplänen. Kaum zu Ende gedacht, schnappt Marga mich von hinten und zieht mich beherzt zu sich runter. Auch gut! Wir drücken einander wie die Weltmeister. Später lässt sie etwas nach, schaut sich nach anderen um, findet aber keinen und bleibt bis zum Schluss bei mir. Ich bin tagelang verzaubert.

Biodanza 33

Julia nimmt mich zur Begrüßung so zart in den Arm, und alle Unsicherheit vom letzten Mal ist vergessen. Es gibt eine schöne Vivencia. Ich tanze mit einer Neuen, die so sensibel ist, und es wird unglaublich toll. Ein richtiges Spiel mit Blicken, Berührung, Nähe und Distanz, Anlocken und Fortstoßen. Am Ende liegen wir uns in den Armen. Später folgt noch ein schöner Umarmungs-Tanz mit Annette. Mit der kann ich auch sehr gut mittlerweile.

Als die Neue geht, gibt sie mir ein Küsschen. Als Annette geht, sagt sie: „Schön war's“. Ich mach ja wohl alles richtig. Boah ich bin so toll!

Hinterher wird wieder gegessen und gekuschelt. Ich merke aber, dass diese Art zu kuscheln gar nicht so das ist, was ich wirklich will. Also lasse ich es und fahre nach Hause. Ich bin ein bisschen traurig darüber, aber dann denke ich: Es ist doch gut, dass ich weiß, was ich nicht will. Ich muss auch nicht jeden Brocken essen, den ich kriegen kann. Ich bin doch kein Hund!

Biodanza 34 „Raketenstart ins Glück“

Diese Vivencia steht unter dem Motto „hol Dir das Glück!“, und ich weiß erst überhaupt nicht, wie ich das machen soll. Ich habe Schmerzen, ich muss zum Klo, und da soll ich das Glück holen? Ganz schlimm wird es, als wir Dreiergruppen bilden sollen ich ich übrigbleibe. Am Boden zerstört sitze ich auf der Matte.

Doch dann das: Julia kommt zu mir und macht einen Tanz nur für mich! Sie ist so lieb. Es ist nicht zu fassen. Gleich danach ruft die kleine Paula „Komm!“, zu einem neuen Tanz zu sechst. Danach bin ich nicht mehr zu halten. Als Julia sagt, „sucht Euch einen Partner“, da nehme ich gleich zwei! Ich lasse mich von vorne und von hinten umarmen. Dann geht es in den Kuschelhaufen, Paula bleibt bei mir. Nach der Vivencia kuschele ich noch mit Karla, dann wieder mit Paula und zum Schluss mit Julia.

Was für ein wundervoller Abend!

Susi 3

Ich habe tatsächlich eine Geliebte: Sie ruft mich an! Wir reden eine ganze Zeit lang, und sie ist wieder ganz furchtbar rätselhaft. Ich versuche, sie zu enträtseln und kann bei ihr eine leichte Agression spüren. Innerhalb von drei Sätzen kommt sie zu der Erkenntnis, dass ich männlich, dominant (macht die Witze?) und daher vollkommen ekelhaft sei. Sie wünscht mich zum Pfeffer und legt den Hörer auf. *PENG* aus und vorbei!

Wirklich schlimm ist das jetzt nicht. Für mich war sie ein Abenteuer, als Mensch fand ich sie einerseits nett, andererseits unheimlich. Immerhin bin ich jetzt wieder frei.

Hier geht es weiter zum 7. Teil!

Sie können mich auch unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

7 Hol Dir das Glück!

Biodanza 35

Dieser Tanz der Worte wird aufregend. Es gibt ein Eifersuchtsdrama! Das ging wohl schon monatelang, mit bösen Briefen und allem, was dazugehört, und jetzt kommt es auf den Tisch. Am Ende verlässt das Paar wutentbrannt den Saal. Dass so etwas bei Biodanza passiert! Ich glaubte bis hierher, dass sich hier alle lieben und ganz frei von Neid und Eifersucht sind.

Ich glaube der Sprecherin ihre Worte, und ich mag sie auch. Am liebsten würde ich hinlaufen und ihr den Rücken stärken, aber das ist vielleicht gerade unangemessen.

Dann die Vivencia. Es gibt ein kleines Lagerfeuer, das aus 8 Händen besteht, die einander zart berühren, sich langsam bewegen, alles mit geschlossenen Augen, so dass das Gefühl ganz bei den Händen sein darf. Langsam breitet das Feuer sich auf seine Besitzer aus. Dann erreicht es die 4 Herzen und dann... BOOM! Ungeheure Energiemengen durchströmen uns! Was für ein schönes Erlebnis. Nachdem das Feuer aus ist, laufe ich alleine durch den Saal und fühle mich so wunderbar befreit, keine Schmerzen, keine Sorgen, keine Gedanken, alles WEG! Es ist so toll!

Beim anschließenden Essen und Kuscheln kann ich einem anderen Menschen den Rücken stärken und fahre zufrieden nach Hause.

Biodanza 36

Ich bin 5 Stunden beim Biodanza und davon, gefühlt, die letzten 2 1/2 Stunden an Tanjas Rücken liegend. Es ist so gemütlich. Was ist eigentlich davor passiert? Ich kann mich kaum noch erinnern...

Doch, irgendwie, ich hatte Julias Anweisung „Das Glück liegt hier - hol es Dir!“ sehr beherzigt und es war richtig toll gewesen. Wirklich ALLE haben mich angelacht und mir die Wange gedrückt.

Biodanza 37

Es gibt einen Tanz zu dritt: „Dusche mit den Elementen“. Einer steht in der Mitte und wird von den anderen beiden auf 4 verschiedene Arten verwöhnt: Das Wasser plätschert mit den Fingerspitzen sanft vom Kopf bis auf die Füße herunter, die Erde ist das feste Anfassen mit den Händen, die Luft kommt aus dem Mund geblasen, das Feuer ist ein kräftiges Abreiben.

Danach noch „das große Handtuch“ (ist das das 5. Element?): Man wird von vorne und von hinten gleichzeitig umarmt. Ich habe Tanja und Karla als Tanzpartnerinnen und es ist der Himmel auf Erden!

Danach dürfen wir noch alle frei miteinander knuddeln - Kuschelanfall! Da diesmal schon in der Vivencia gekuschelt wurde, bleibe ich nach dem Essen nicht um nochmal um zu kuscheln, auch weil ich von diesem schönen Tanz wirklich gesättigt bin.

Biodanza 38

Es geht los damit, dass wir alle stolze Tiger sind, die durch den Raum laufen. Damit bin ich erstmal überfordert. Rollenspiel ist nicht mein Ding, und ich hab mich auch gar nicht danach gefühlt. Aber dann folgt ein kuscheliger Tanz, ich schnappe mir Annette und es fühlt sich an wie: "Hol Dir das Glück!"

Bei einem Tanz zu zweit habe ich Karla und Annette gleichzeitig als Partnerin; das geht Horst dann doch zu weit; er will eine abhaben; bekommt er auch.

Und der Rest ist nur noch Harmonie und Freude und Genießen.

Ach!

Kuscheltraum 14

Die Schmerzen plagen mich fürchterlich, aber ich deute im Tanz der Worte nur an, wie schlecht es mir geht. Einer anderen, ganz fremden Frau geht es auch ganz schlecht wegen Liebeskummer. Ich bin so von ihr berührt und nehme ihre Hände fest und wir weinen zusammen. Ich fühle mich so verbunden mit ihr, und das ist dann auch wieder schön.

Es gibt einen Schlängeltanz, in dem jeder jeden berührt. Er ist sehr schön und dauert dreimal so lange wie geplant.

Im Abschlußkreis hält Marga mich nochmal richtig doll fest. Sie kann so schön fest drücken, und weil sie so groß ist, kann ich mich bei ihr gut anlehnen. Ich mag das.

Ansonsten ist dieser K-Traum nicht so der Knaller, aber es sind schöne Begegnungen dabei.

Tanz Dich Frei!

Das ist eine Disco für Biodanzamenschen, die nur einmal im Monat stattfindet. Sie ist in keiner Zeitung und keinem Anzeigenblatt zu finden. Mann muss jemanden kennen. Und selbst, wenn man weiß, dass es das gibt, braucht man jemanden, um überhaupt hinzufinden! Denn es ist mitten im Wald, in einem kleinen und sehr gemütlichen Holzhaus.

Auf dem Weg in den Wald habe ich an jeder Hand eine Frau, zwei Engel, die aufpassen, dass ich nicht verloren gehe.

In dem Wald gibt es eine Art Kommune, eine lockere Ansammlung von selbstgebauten Holzhäusern, einige mit dem obligatorischen Bulli davor. Ich komme mir vor wie in einem romantischen Hippietraum.

Wir landen an einem zauberhaften Ort. Es gibt einen Umkleideraum, wo man sich Biodanza-mäßig zurechtmachen kann, das heißt: Bequeme, farbenfrohe Kleidung. Wegschließen braucht man nichts, denn es gibt hier nur liebe Menschen, alle Jacken kommen auf einen großen Haufen. Schlüssel, Handy, egal. Es ist bestimmt die Hälfte von meiner Biodanzatruppe da, dazu viele andere, die Musik ist toll und ich tanze mich richtig frei. Ab und zu schnappe ich mir eine Biodanzera für einen Tanz zu zweit, das geht einfach so. "Hol Dir das Glück!"

Zwischendurch kann man sich auf ein Sofa fleezen und sich an einen lieben Menschen ankuscheln.

Ich bin zum ersten Mal seit 30 Jahren in der Disco und zum ersten Mal im Leben in einer Disco, wo es mir richtig Spaß macht!

Einmal tanze ich mit einer Frau namens Melanie, ich hatte sie im K-Traum kennengelernt. Ich vergesse, dass sie noch nie Biodanza gemacht hat und gebe richtig Gas. Am Ende hat sie Schulterbeschwerden, aber sie sagt trotzdem, dass sie jetzt auch Biodanza machen möchte.

Am nächsten Tag fühle ich mich fürchterlich und mich plagen Depressionen - Gefühlskater?

Drei Tage später schreibt sie mir, ob wir uns nicht mal treffen können.

Biodanza 39

Diesmal gibt es einen Tanz von ganz anderer Art: Den Tanz der Identität. Streng choreographiert und mit bombastischer Musik erinnert er mich an Monumentalszenen aus Filmen der 30er Jahre: Ich bin 10 Meter groß und aus Beton! Es funktioniert tatsächlich. Für einen Moment fühle ich mich als Herrscher des Universums (und das, obwohl ich mich rein körperlich eigentlich erbärmlich fühle! Unglaublicher Effekt!)

Danach treffen wir uns zu viert und werden der Ozean, in den alle Flüsse münden. Für mich ist der Ozean ein kleiner Teich, aber er ist unglaublich tief und erfasst mich mit Rührung und Freude.

Nach dem Essen habe ich mit einigen Männern und Frauen ein Gespräch, sie reden so selbstverständlich und offen über Liebe und Sex, ich finde es ganz wunderbar.

Melanie

Sonntag ist es soweit. Da sie in meiner Nähe wohnt, mache ich einen Spaziergang, und schon bin ich bei ihr. Das ist schon ein aufregendes Gefühl: Ich bin bei einer fremden Frau im Haus, und alle Welt denkt, ich gehe nur mal eben spazieren.

Sie hat eine wunderschöne Kuschelecke eingerichtet und die Kuscheltraum-CD läuft im Hintergrund. Es duftet nach Räucherwerk.

Das lässt viel erwarten und ich habe Kribbeln im Bauch. Sie ist eine feine, intelligente Frau mit viel Sinn für Schönheit. Sie kommt mir dieses Mal älter vor als in der Disco, was mich aber nicht stört.

Wir reden viel miteinander, offen und tiefsinnig. Sie sinniert über freie Liebe und sie hat wohl auch einen Freund.

Als wir dann in der Kuschelecke landen, beobachte ich sie genau und merke doch: Sie sucht keinen Körperkontakt. Vielleicht ist es ihr mulmig geworden, und jetzt bin ich auch unsicher. So passiert am Ende gar nichts weiter.

Ich denke hinterher viel über diesen Abend nach. Unsere Gefühle haben gesprochen, wir haben beide darauf gehört und es ist alles gut und richtig so. Ich bin gar nicht so traurig darüber, dass es keine Kuschelei gab. Ich freue mich darüber, dass ich gleich fühlen konnte, dass sie nicht weiter wollte, ganz ohne Worte, ich musste mich nicht aufdrängen und mir keine Zurückweisung einfangen. Und Sie hat mich auch nicht überfordert. So ist doch ein mildes Harmoniegefühl in mir.

Es bleibt eine schöne Erinnerung an eine schöne Frau, die nichts von mir verlangt hat.

Hier geht es weiter zum 8. Teil!

Sie können mich unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

8 Tanz Dich frei!

Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis

Biodanza 40

Diese Vivencia ist dem Licht gewidmet. Fünf Menschen stehen in der Mitte, nach außen gewandt, und die außen stehenden schaufeln ihnen mit symbolischen Gesten das Licht zu. Ja, das ist ein Tanz! Neben mir im Innenkreis steht Brigitte und sie drückt sich so fest an mich, dass ich mich kaum auf das Licht konzentrieren kann. Ich muss verlegen grinsen.

Danach gibt es einen Kuschelhaufen (Diesmal schon als angeleiteten Teil der Vivencia und nicht erst hinterher). Typisch dabei ist die "Löffelchenstellung": Alle liegen hintereinander auf der Seite wie die Löffel in der Schublade. So wird es richtig schön eng und warm. Ich genieße das so! Doch irgendjemand bewegt sich hier, ein Bisschen zweideutig. Ich weiß ja nicht so recht, ob ich DAS mitmachen möchte, und als ich es versuche, fährt mir ein stechender Schmerz durch die Leiste! Da hat mein Körper mir deutlich gesagt: Lass das bleiben! Sodann wird es wieder entspannt für mich.

Nach dem Essen kuschele ich noch mal ganz lange mit Tanja und Julia - Hol Dir das Glück!


Wieder tanze ich mit Annette. Ich tanze jetzt oft mit ihr, es ist immer so eine besondere Harmonie, es fließt wie von selbst und neue Tanzfiguren entstehen aus dem Nichts.

Zum Abschied drückt sie mich noch, und dann... küssen wir uns fast auf den Mund. Im letzten Moment halten wir uns zurück, aber unsere Herzen wollten das, ich bin ganz sicher.

Diese halbe Sekunde verzaubert mich die ganze Woche.

Biodanza 42

Ein Tanz zu viert. Karla, Annette, Horst und ich sind immer öfter zusammen bei den Vierertänzen. Wir sind das "Dreamteam" - finde ich! Ich kuschele mich die ganze Zeit bei Horst an und bin ganz versunken. Irgendwann meldet sich mein Verstand: „Du kuschelst ja mit einem Mann!“, und auf einmal ist es nicht mehr schön. Vorher war es das aber. So tief sitzt das.

Kuscheltraum 15

Es sind 4 Männer mehr als Frauen, das kann ja ein Kampf werden! Ich kenne den Betrieb. Wenn das Kuscheln losgeht, entscheiden die ersten 3 Sekunden, ob es ein schöner Abend wird.

Biodanzamenschen sagen gerne: "Wir sind eins", reden von der freien Liebe und von der Kunst des Loslassens. Doch wenn es um die Wurst geht, ist Greifen und Behalten wohl doch einfacher.

Es kommt wieder anders, als ich denke, denn es kommen gleich zwei Frauen auf mich zugestürmt. Ich muss wohl ziemlich toll sein! Elisabeth ist eine Sekunde schneller als die andere und so verbringe ich einen schönen Nachmittag mit ihr, sie streichelt mich zart und liebevoll. Und doch stelle ich fest, dass nichts über eine feste Umarmung geht.

Die lange Western- und Countrynacht

Man könnte sich ja fragen, was ich da wohl will:

1.: Die Biodanzaleute sind auch da;

2.: Lars ist der DJ;

3.: Er legt weder Western noch Country auf;

4.: Es gibt ein erstklassiges Büffet für nur 10 Euro.

Julia hat mir gesagt, man brauche sich nicht zu verkleiden. Die ganze Schule ist auf Western dekoriert, richtig toll, und ich bin der einzige ohne Verkleidung, fühle mich schief angesehen und sitze traurig und alleine am Tisch. Keiner will was mit mir zu tun haben!

Da kommt Julia an und fragt, was hast Du, Armer? Ich will sie damit nicht nerven, und weiter sagt sie: „Mein Absatz ist abgebrochen. Jetzt bin ich barfuß und hier liegen überall Splitter.“ „Soll ich Dich hier raustragen?“ „Das kannst Du doch nicht machen!“ „Doch, hier ist der Wilde Westen“ und dann trage ich sie Huckepack aus dem Saloon. Leider kracht mir die Saloontür gegen den Arm und ich trage einen blauen Flecken davon. Dennoch geht es mir schlagartig gut und ich verbringe den Rest des Abends auf der Tanzfläche.

Bei dem Song „Tanz um dein Leben“ breche ich alle Rekorde. Das Lied trifft für mich den Nagel auf den Kopf. Ich habe herausgefunden, dass Bewegung meine Schmerzen lindert und tanze jetzt nach dem Motto "viel hilft viel!"

Gegen Ende des Tanzes erwische ich Iris vom K-Traum. Das ergibt einen spontanen Tanz zu zweit mit gemeinsamem Hüftwackeln in alle Richtungen. Dann saust sie davon und mir ist ganz flau; ich merke, dass das zuviel des Guten war.

Ich komme in ein Gespräch mit einer fremden Frau. Anscheinend führt sie eine asexuelle Beziehung, und das schon seit vielen Jahren. Ich höre zum ersten Mal, dass es das gibt, und das versöhnt mich dann wieder mit dem Leben.

Biodanza 43

Diesmal in einem anderen Raum, im "Lichtstrahl", alle schwärmen, wie toll er ist. Ich merke nicht viel davon, denn wenn es mir schlecht geht und ich Schmerzen habe, fühle ich fast nichts mehr. Es geht um die Verbindung mit der Erde, und ich frage mich, wie es sein wird, wenn man sich endgültig mit der Erde verbindet. Julia fragt uns: Was soll gutes aus der Erde wachsen, in der ich liege? Für mich Disteln und Brennnesseln. Der Tanz „der Same“ bringt mich dann wieder ein bisschen in Schwung. Annette ist da und die Harmonie mit ihr.

Kuscheln privat

Ich plane, einen eigenen Kuscheltraum bei uns im Dorf aufzumachen, und ich kenne vom Biodanza eine Frau, die mithelfen möchte. Ich soll doch mal vorbeikommen, damit wir das planen können. Wir sitzen zum Tee und reden darüber. Ich möchte wohl mit ihr kuscheln. Ich nehme ganz viel Mut in die Hand und sage ihr das ganz einfach. Wir gehen nach oben und nehmen einander in die Arme. Erst habe ich noch Herzklopfen, atme ein paar Mal tief durch, dann spüre ich Nähe und Geborgenheit. So bleiben wir ganz still für eine ganze Stunde.

Nach der Kuschelei macht sie Musik an und tanzt, ich schaue ihr vom Sofa aus zu, genieße das Zuschauen und das Nachfühlen von dem Schönen.

Sie hat das Treffen geschickt geplant, denn danach kommt ihre Freundin zu Besuch, die ich noch kurz kennenlerne, dann gehe ich los, mit einem schönen, weichen Gefühl im Herz.

Später schreibt sie, dass es schön mit mir war, und dass sie mit ihrer Freundin auch noch gekuschelt hat.

So geht etwas in Erfüllung, das ich mir ein Leben lang gewünscht habe: Es gibt irgendwo eine freundliche Frau, die um die Ecke wohnt, und zu der man einfach so hingehen kann zum Reden und Kuscheln.

Biodanza 44

Die Harmonie mit Annette ist auch diesmal wieder da. Diesmal habe ich schon das Gefühl, ich gehe zu weit mit ihr. Mir kann man es auch wirklich nie recht machen!

Nach dem Essen wird noch etwas gesungen. Singen mochte ich noch nie und konnte ich noch nie, aber hier sind die lieben Biodanzamenschen, und ich möchte mich darauf einlassen. Ich singe ganz leise mit. Irgendwie ist es schön, und sie ermöglichen es mir, weil sie mich so annehmen, wie ich bin. Hier wird man nicht kritisiert, hier gibt es keine Schulnoten. Nach einem ausgiebigen Abschied mache ich mich auf den Weg.

Josepha

Josepha hat nichts mit Biodanza zu tun, sondern mit einem ganz anderen Thema: Sie ist mir von meiner Schmerztherapeutin vermittelt worden, denn sie hat die gleiche Krankheit wie ich, allerdings schon seit 30 Jahren - und sie ist noch da! Ich treffe sie in einem Cafe. Wir verstehen uns gut, haben einander viel zu sagen. Ihre Geschichte macht mir viel Mut, auch wenn sie insgesamt schwach wirkt, ist sie für mich doch stark wie eine Löwin. Und wenn ich ihr nicht vom Biodanza erzählt hätte, hätte ich an diesem Tag glatt vergessen hinzugehen.

Biodanza 45

Die Vivencia hat das Motto: „Ich bin der Boss“, und so darf man eine Kette von Tänzern anführen. Für so einen kurzen Moment mag ich das wohl tun. Ein Konzept des Biodanza ist der "schnelle Wechsel": Die Tänze und die Tanzpartner werden so oft gewechselt, dass man gar nicht erst ins Grübeln kommt, ob man denn alles richtig macht.

In einem anderen Tanz darf jeder mal in der Mitte stehen und von den anderen ganz oft seinen Namen hören. Endlich lerne ich die mal richtig.

Trotz nennenswerter Schmerzen habe ich bestimmt ein Dutzend wundervolle Momente und Begegnungen. Julia schubst mich beim Abschied irgendwie weg. Vielleicht ist sie eine Katzenmutter, die sagt: „Du bist jetzt groß, geh selber Mäuse fangen!“

Lesen Sie weiter in Teil 9!

Sie dürfen gerne einen Kommentar schreiben; Sie können mich auch unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

9 Das Tantra-Seminar

Ob ich jetzt wohl endlich mal in meine erotische Energie komme? Irgendwo muss sie ja sein!

Samstag früh am Morgen mache ich mich auf den Weg nach Asendorf. Schon die Anfahrt weckt schöne Erinnerungen. Vor 30 Jahren hatte ich hier eine Bekanntschaft. Schon damals hat man sich wilde Gerüchte über diesen Ort erzählt. Ein alter Bauernhof, schön verziert mit bunten Fliesen, innen viel Holz. Sehr gemütlich.

Das Seminar wird von Inge und Jan geleitet, wobei Jan erst am Samstagabend auftaucht. Ein freundlicher, weiser, alter Mann. Seine Gelassenheit erinnert mich an meinen Vater.

Es fängt mit einem Tanz der Worte an. Da ich niemanden kenne und auch die Gepflogenheiten nicht, sage ich nicht viel dazu. Dabei hatte ich mir wochenlang überlegt, wie ich mich vorstelle.

Danach freies Tanzen, wie beim Biodanza, aber allein. Schön.

Eine Atemübung: Tief einatmen, dann dreimal aus: Hach - hach - hach! Das immer wieder, und sogleich erlebe ich meine erste Extase! Ich schließe die Augen, schaue nach oben und sehe: Licht! Das siebte Chakra! Das fängt ja richtig gut an hier.

Nach kurzer Erholung gleich die nächste Atemübung: Mann und Frau stehen sich gegenüber. Bei jedem Einatmen schiebt man das Becken nach vorne. Wir halten Blickkontakt und machen das im Rhythmus gleichzeitig, aber ohne Anfassen. Wir werden immer schneller dabei, und es ist ein bisschen wie virtueller Sex, ich bin danach total aufgedreht.

Zum Essen. Es gibt ein lautes Gewusel und die schönen Wellen sind dahin, aber das Essen ist gut.

Nach dem Essen wieder Tanzen, danach Mantra singen (ich kann kein Sanskrit!)

Danach beginnt die Arbeit mit Dämonen. Oha! Nein, gar nicht so. Dieser Dämon ist etwas in Dir, das Du Dir selber aussuchst. Sowas wie ein Laster oder eine alte Sorge, also gar nicht übersinnlich (für mich). Man versucht, sich den Dämon als Person vorzustellen, die vor einem sitzt, und in Gedanken mit dieser Person zu reden. Ich stelle meinen Schmerz als Dämon auf und erfahre einiges von ihm!

Die Anleiter sagen: Mann soll seinen Dämon füttern. Also ihn fragen, was er braucht, und ihm das geben. Im besten Fall wird er satt und verzieht sich.

Mein Dämon ist also der Schmerz. Was braucht er? Bewegung, gutes Essen, gute Gesellschaft, Schönheit. Ja, das ist etwas anderes als Ibuprofen und Cortison, aber ich bin hier in einer anderen Welt gelandet. Und es hilft tatsächlich.

Danach wird das Erlebte in Kleingruppen aufgearbeitet, durch Reden und Kuscheln. Da ist ein großer Mann, der mir etwas autoritär vorkommt. Sowas mag ich gar nicht. Doch jetzt lasse ich mich von ihm im Arm halten und, siehe da: Ich kann das annehmen! Fühle mich gut gehalten.

Ich bin auch beeindruckt und begeistert davon, wie die anderen Gruppenmitglieder sich mir gegenüber öffnen und aus ihrem Intimleben erzählen. So erlebe ich ein Gefühl von Nähe.

Nach dem Abendessen geht es dann ja wohl ans Eingemachte. Alle Männer in den Saal, nur mit einem Tuch um die Lenden gegürtet, jeder soll sich einen Platz suchen, es gibt Massage. Es sollen aber Dreiergruppen werden. Nachdem ich zweimal von den Platzhirschen vertrieben wurde, habe ich einen Platz für mich allein, aber da fehlen ja noch die Frauen. Sie lassen uns bestimmt noch eine Viertelstunde warten, und die Zeit wird mit Mantras vertrieben. Dann noch fünf Minuten und nochmal fünf. Die machen da auch einen von. Dann geht es endlich los. Die Frauen dürfen sich freie Plätze bei den Männern suchen. Ich bekomme, was übrigbleibt. Aber immerhin, jetzt bin ich ja in einer Dreiergruppe mit zwei Frauen. Alle ziehen sich nackt aus. Einer legt sich hin und die anderen beiden massieren ihn/sie gründlich durch, einmal von vorne und einmal von hinten, Inge gibt Anweisung. Nachdem das fertig ist, gehen einige der Gruppen ins Kuscheln über, andere gehen auseinander. Der Abend ist hiermit beendet!

Meine beiden Frauen verziehen sich sofort, und da ich hier niemanden kenne, wars das auch für mich. Jetzt bin ich doch etwas enttäuscht. Die ganze Massageaktion hat sich nicht besser angefühlt als eine Wellnessbehandlung, da war keine Herzensverbindung und schon gar keine Erotik.

Schlafen kann ich trotzdem gut. Am nächsten Tag übernimmt Jan die Regie und es geht los mit Schütteln. Man soll sich so schütteln, dass man in Resonanz gerät. Kriege ich nicht hin.

Danach kommt der Knaller: Gibberish! Noch nie gehört. Man soll einfach sinnlos brabbeln, aber ansonsten eine Konversation führen. Bin völlig überfordert. Ich schau mir das erstmal an. Sie sind wie Kleinkinder, die die Gespräche ihrer Eltern nachahmen, ein beeindruckendes Schauspiel, das mit der Zeit immer lauter und alberner wird. Jetzt merke ich, was hier fehlt: Das rote Sofa. Bei Julia beim Biodanza gibt es ein rotes Sofa, und wenn man nicht tanzen möchte, geht man da rauf. Die anderen wissen dann, dass man eine Pause braucht. Man darf immer nicht tanzen mögen ohne schlechtes Gewissen. Also das fehlt mir hier jetzt. Somit muss ich Jan erklären, dass ich das nicht machen möchte. Es ist überhaupt der allererste Tanz, den ich nicht mitmache, seit ich Biodanza mache.

Ich wundere mich über mich selbst:

  • Mit wildfremden Leuten nackt kuscheln: kein Problem für mich.
  • Gibberish: Geht ja gar nicht! Wovor habe ich denn solche Angst?

Danach dürfen wir zur Entspannung auf den Decken liegen und machen anschließend eine „Löffelchen“-Reihe. Hier kann ich nochmal Wärme Tanken, dann ist für mich Schluss. Es hätte noch einen Singkreis gegeben, aber ich bin einfach zu müde.

Den Rest des Sonntages bringe ich mit Ausruhen und Verarbeiten, das war ein bisschen viel. Es hat aber einen insgesamt schönen Eindruck hinterlassen, auch wenn ich etwas ganz anderes bekommen habe als erwartet.

Hier geht es weiter zum 10. Teil!

Sie können mich unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.

10 Ich als Kuscheltrainer

Biodanza 46

Begeistert berichte ich beim Tanz der Worte vom Tantra. Danach geht es los. Eine Verbindungs-Vivencia, ich kann heute gut genießen. Wie schon fast immer tanze ich den wichtigen Teil mit Annette. Danach wird gekuschelt, ich breite die Arme aus und Annette legt sich mit dem Rücken vor mich. Jetzt kann ich sie richtig schön drücken. Sie hat eine kräftige Statur, ich mag das.

Danach noch ein Tanz zu zweit, irgendwann geht mir die Phantasie aus und es fühlt sich nicht mehr so schön an. Ich denke später noch lange über dieses Gefühl nach und beschließe: Das ist das Gefühl, wenn man einfach genug hat. Das kenne ich nicht. Ich habe immer gefressen wie ein Hund, wenn es um Liebe ging: Nimm, was Du kriegen kannst, morgen gibts nichts mehr. Doch die Zeiten haben sich tatsächlich geändert: Ich kann satt werden, ohne Angst.

Nach der Vivencia möchte ich mit den anderen über meine Erfahrungen beim Tantra berichten, das für mich so besonders war. Aber einige wollen das nicht hören, "Da spricht man nicht drüber." Das verunsichert mich bis ins Mark, ich sage den ganzen Abend nichts mehr. Wo ist die Offenheit geblieben, die ich hier so schätze und liebe? Fühlt sich an, als wenn die Tür zu ist.

Am 19. 2. 18 breche ich mir ohne erkennbaren Grund den Fuß. Damit ist erstmal Schluss mit Biodanza. Kuscheln kann ich aber immer noch.

Geburtstagsparty

Die Jubilarin bewohnt ein Haus für sich ganz alleine und hat einen Tanzraum und einen Kuschelraum hergerichtet - richtig hübsch dekoriert mit Strandambiente. Sie hat auch einige Freunde vom K-Traum eingeladen. Es scheint ihr sehr wichtig, dass ich auch komme, wohl wegen dem Kuscheln.

Die meisten ihrer Gäste sind allerdings „normale“, für sie ist das Wohnzimmer zum „Bla Bla machen“ (So hat sie das gesagt). Wir anderen verziehen uns nach oben und sind sofort spontan am Kuscheln. Als wir genug gekuschelt haben, gehen wir in den Tanzraum, ich muss mich mit zukucken begnügen, bin aber trotzdem ganz zufrieden.

Als wir aufbrechen wollen, gehe ich zuerst runter (nicht einfach mit dem kaputten Fuß) und warte, und wo bleiben sie denn? Ich krieche die Treppe wieder hoch und da liegen sie doch alle wieder im Kuschelzimmer und keiner sagt mir was! Ich lege mich einfach dazu. Nach einer weiteren halben Stunde Kuscheln geht es ab nach Hause.

Zum Abschied gibt Iris mir einen Kuss und haucht mir ganz zart ins Ohr: „Tschüs, mein Süßer!“

Kuscheltraum 16

Ich bekomme es mit einer großen Schönheit zu tun, liege mit ihr im Löffelchen. Ich spüre deutlich, dass sie erregt ist. Der Kuscheltrainer sagt vor jeder Veranstaltung den Satz: "Wenn Du erotische Energie hast, lass sie zu, aber mach nichts mit ihr!" Genauso halten wir es jetzt auch.

Nach der Veranstaltung fühle ich mich schlecht. Ich merke deutlich, dass mir diese starken Gefühle fehlen und dass ich sie vermisse.

Mein Debüt als Kuscheltrainer

Ich möchte selbst eine Kuschelparty anleiten. Und ich möchte es bei mir im Dorf machen. Ich träume davon, bald eine Kuschelszene vor Ort zu haben und nie mehr Hunger leiden zu müssen. Ich habe keine Ausbildung, aber das ist mir egal. Eine Biodanzera stellt ihr Haus zur Verfügung, mit dem schönen Kuschelraum und dem Tanzraum.

Ich bin echt nervös. Am großen Tag sind dann außer ihr noch zwei Teilnehmer da. Das genügt mir für den Anfang.

Es geht gleich damit los, dass Spotify mich im Stich lässt. Das wars also mit meiner sorgfältig ausgesuchten Playlist. Zum Glück gibt es eine Kuscheltraum-CD. Vor Aufregung vergesse ich, die Kuschelregeln zu erklären. Sie kennen sie sowieso. Sie helfen mir bei meinem Programm, wenn es hakt. Ich bin sehr unsicher. Es widerstrebt mir zutiefst, anderen sagen zu müssen, was sie tun sollen. Ich habe ja auch keine Kinder.

Wir massieren uns gegenseitig die Schultern zum Warmwerden. Dann gibt es die Ampel-Übung: Man fasst seinen Partner an verschiedenen Stellen an. Wenn er grün sagt, ist es gut, gelb geht so, rot - Finger weg!

Nach der Pause geht es zum kuscheligen Teil, und: Zwei meiner Teilnehmer liegen schon engumschlungen unter der Decke! So war das nicht geplant! Nach kurzer Diskussion schlage ich vor, dass wir uns zu viert hintereinanderlegen.

Carlos raucht, denke ich. Der raucht komisches Zeug, denke ich. Ich denke: Der Ofen zieht nicht richtig. Das brennt doch jetzt nicht wirklich? Da hängt doch ein Rauchmelder, der kann ja auch mal was sagen. Ich höre die Flammen lodern...

FEUER!

Hinter uns ist ein Kissen auf eine Kerze gefallen und brennt lichterloh!

Schnell ersticke ich die Flamme mit dem Teil vom Kissen, der nicht brennt, und schlage die Glutnester mit der bloßen Hand aus, was der Hand nicht gerade gut bekommt.

Das ist ja nochmal gerade gutgegangen.

Den Rest das Abends verbringen wir im Badezimmer mit meiner Hand im kalten Wasser. Zum Kuscheln hat keiner mehr Lust, wir reden noch ein bisschen und das wars.

Zum Abschied machen wir dann doch noch einen Wiegekreis.

Nach diesem Desaster beschließe ich, die Sache hinzuschmeißen. So Schade.

Kuscheltraum 17

Nun also wieder als Teilnehmer bei den Profis.

An dem Nachmittag lässt mein Schmerz mich in Ruhe. Ich kuschele nacheinander mit Antje, und einer ganz hübschen und runden Neuen. Sie streckt die Hand nach mir aus... diese wundervolle Geste! - und Anneliese, die ich noch richtig fest drücke. Die mag mich auch wohl. Ganz am Schluss im Wiegekreis lehne ich mich noch an Marga an. Ein wunderschöner Tag, der mit einem sanften, warmen Gefühl im Bauch zu Ende geht.

Biodanza 47

8 Wochen nach dem Fußbruch geht es wieder los. Eine schöne, ausgeglichene Vivencia mit vielen Neuen, insgesamt 39 Leute in dem kleinen Raum. Mein Fuß bringt mich manchmal aus dem Rhythmus, ich fühle mich etwas unsicher. Sonst ist es aber schön und Freude ist auch dabei. Nachdem es zu Ende ist, sagt mir eine Teilnehmerin, dass ich zu doll an ihr gezogen hätte und dass sie mir deshalb widerstrebt hat. Hätte ich doch sanfter gezogen, wäre sie mitgegangen.

Den Rest des Abends grübele ich nur noch darüber nach, ob ich denn alles richtig mache und merke, dass ein kleines Bisschen Kritik mich völlig aus der Bahn werfen kann. Wie Schade.

Biodanza 48

Die reine Freude. Gerhard schenkt mir eine „Baumperle“, ich wusste gar nicht was das ist. Sie sind hier alle so naturverbunden. Tanja schenkt mir einen Tropfen ihres zauberhaften Duftes („Es ist Shiva Shakti Wasser, es macht die Chakren frei!“). Ich weiß zwar nicht, was Chakren sind, aber sie sind alle so lieb zu mir. Ich hab das gar nicht verdient. Ich bin den ganzen Abend schmerzfrei und bleibe es bis zum nächsten Morgen, an dem ich immer noch ein bisschen verzaubert bin. Und das in einer Zeit, wo ich merke, dass die Schmerzkrankheit so langsam meine Seele auffrisst. Viel Zeit wird mir wohl nicht mehr bleiben, um schöne Dinge zu erleben.

Tanz Dich Frei! 2

Wieder die zauberhafte Disco im Wald.

Ich habe Schmerzen und denke mir aber, dass ich sie wegtanzen kann. Ich beschließe, den Abend alleine zu tanzen und mich um mich zu kümmern. Das klappt nicht so richtig. Die Musik ist auch nicht so danach, sie klingt nach Harmonie und ein bisschen nach Tango. Ich sehe die Harmonie der anderen miteinander und es macht mich traurig, das ich das nicht habe. Auf dem Rückweg muss ich ja noch Iris nach Hause bringen. Sie sagt zu mir: „Ich mag Dich so gerne, weil Du so ein ruhiges Wesen hast.“ Manchmal kann ein Satz den ganzen Abend retten.

Sie erzählt auch, dass sie gerne Kuscheln möchte, aber Männer würden ja immer gleich mehr wollen. Ich sage, wie es bei mir ist, und sie darf sich bei mir melden. Jetzt fühlt sich das Leben wieder schön an!

Biodanza 49

In letzter Zeit ist es immer mehr Mode geworden, Gefühle lauthals herauszuschreien, auch laut zu Weinen etc. Mir macht das manchmal Angst, zumindest bringt es mich aus meinen Gefühlen raus. Ich habe generell Angst, wenn andere Menschen starke Gefühle haben, weil ich die Situation dann nicht mehr berechnen kann.

Ich sage Julia das, doch sie ist der Ansicht, es wäre wichtig, dass man alles rauslassen kann. Ich sage also beim Tanz der Worte nichts dazu und dann sagt ein anderer wortwörtlich das, was ich nicht gesagt habe. Überraschung. Ich erzähle ihm meine Geschichte, damit er sich damit nicht allein fühlt, und er freut sich sehr darüber. Auch bei dieser Vivencia geht es wieder laut her, und ich habe zeitweise das Gefühl, nur ein Zuschauer zu sein. Ich bin dann zu sehr in Hab-Acht-Stellung, um noch selber etwas fühlen zu können.

Ich bleibe noch zum Essen und dann auch zum Kuscheln. Als ich gehe, ist es schon nach 12! Ich merke sofort, dass das nicht gut war. Am nächsten Tag habe ich einen mörderischen Kater und bin erst um 14 Uhr wieder ansprechbar.

Irgendwie denke ich immer noch, dass meine Streicheleinheiten nichts taugen. Daran muss ich arbeiten.

Biodanza 50

Heute wird das Feuer getanzt. Es hat natürlich mit Leidenschaft zu tun und ich denke nur: „Och nö, nicht das!“ Ich komme leidlich zurecht, dann gerate ich wie so oft an Annette und schon brennt das Feuer! Die Harmonie mit Annette ist wirklich toll und schenkt mir immer neue Erlebnisse.

Biodanza 51

Heute ist die Luft dran. Also was mit Fliegen. Es ist wie beim letzten Mal. Es plätschert so dahin, ich kann mich nur ein bisschen einlassen, habe auch Schmerzen - und dann kommt Annette. Später kommt noch Carla dazu und wir drei tanzen innig verbunden wie in Trance. Ich bin völlig benebelt, als hätte ich k. o.-Tropfen bekommen. Als wir daraus erwachen, haben alle anderen um uns herum schon den Schlusskreis gebildet.

Beim anschließenden Kuscheln genieße ich die Stille und die Nähe und weine vor Freude. Dann kommt auch noch Paula und streichelt mich. Alle Versuche, zeitig nach Hause zu kommen, schlagen fehl, ich werde immer wieder festgekuschelt. Was für ein wundervoller Abend!

Mein 2. Versuch als Kuscheltrainer

Ich will es doch nochmal versuchen, lege mich voll ins Zeug, überarbeite mein Programm und kündige den Termin in der WhatsApp Gruppe und beim Biodanza an. Und dann - nichts. Eisiges Schweigen! Nach 4 Tagen glaube ich, dass mein Handy kaputt ist. Nach Wochen kommen ein paar Absagen.

Vor allem dieses Schweigen in der WhatsApp Gruppe setzt mir zu. Nicht mal Iris meldet sich. Ich bin so traurig. Wollen die nichts mehr mit mir zu tun haben? Kuscheln die schon woanders und ich soll das nicht wissen? Viele Hoffnungen haben sich zerschlagen. Da habe ich lange dran zu knabbern.

Tanz Dich Frei! 3

Ich bin unsicher, ob ich hingehen soll. Womöglich sind die Leute da, die mich so hartnäckig angeschwiegen haben, dann würde ich eine Aussprache wollen. Es könnte Streit geben. Ich schreibe ihnen auf WhatsApp, dass ich losfahre, auch darauf antwortet keiner.

Doch es wird ganz schön, denn es sind genau die Leute da, mit denen ich gut kann. Ich komme mit allen in schöne Gespräche, tanze viel alleine und manchmal mit anderen zusammen, und es erfüllt mich mit Glück.

Biodanza 52

Tanz der Elemente. Wir sind Schlangen, die einander begegnen. Und so krabbele ich mit Annette umeinander und übereinander herum. Später tanze ich mit einer Neuen namens Line. Sie hat so eine lustige, originelle Art, auch ein bisschen frech, und es macht mir solchen Spaß mit ihr, dass ich lauthals lachen muss. Hatte ich mich nicht vor 3 Vivencias darüber beschwert? So schnell kann Biodanza einen verändern!

Nach dem Essen liegt die ganze Reihe der üblichen Verdächtigen zum Kuscheln. Ich schaue sie mir an, unschlüssig, und Tanja sagt: “Na, schaust Du Dir das Büffet an?“ Herrlich.

Die kleine zarte Paula möchte bei Alex auf dem Rücken liegen, sie sagt: „Das ist was Spezielles!“ und ich sage zu ihr: „Ich möchte aber auch wissen, wie sich das anfühlt.“ und so kommt sie auf meinen Rücken gekrabbelt. Manchmal muss man sich das Glück einfach holen.

Party bei Julia

Julia hat Geburtstag. Sie wohnt in einer alten Villa mit ganz viel Holz, super gemütlich und romantisch. Ihr Mann macht eine Mini-Vivencia im Garten mit allen. Auf dem Balkon gibt es eine Kuschelecke im Freien! Ich liege zwischen Horst und Winfried und rede mit Winfried über Kuschelträume bis Thorben der Ansicht ist, dass wir ihn beim Singen stören. So genieße ich den ganzen Tag.

Als ich in den Zug steige, steht plötzlich Carlos da. „Ich geh jetzt zur Party!“

„Und ich komme gerade von der Party. Viel Spaß!“ Die ganze Welt ist Biodanza.

Biodanza 53

Nach einer erfrischenden Vivencia (mit Astronautenflug!) Essen und Kuscheln. Als die Löffelreihe sich gebildet hat, hänge ich mich hinten an und rufe „Mein Rücken ist kalt!“. Allgemeines Gelächter, dann kommt Carla hinter mich. Hinter ihr wohl noch mehr, denn ich werde so richtig fest gedrückt. So muss das. Herrlich.

Biodanza 54

Gleich zu Anfang (ein harmloser Tanz zu zweit) schreit jemand los wie angeschossen. ich erschrecke mich fürchterlich. Nur so ein Gefühlsausbruch.

Es gibt einen Kuscheltanz, Freya hat Lust, den mit mir zu tanzen! Das ist die schöne Überraschung des Tages. Julia spielt dasselbe Lied dreimal hintereinander, damit wir länger genießen können.

Ich beschließe aber, nächstesmal zu sagen, dass ich diese Art von Gefühlausbrüchen achtlos finde, wenn sie nicht unbedingt nötig sind. Es ärgert mich, also muss es raus.

Bei den folgenden Biodanza-Abenden und Kuschelträumen fahre ich von Freudenfest zu Freudenfest. So viele Menschen gehen auf mich zu. Ich bin in dieser Gruppe angekommen. Ich genieße es so sehr, von diesen lieben Menschen angenommen zu sein und dies in immer neuen Begegnungen durch körperliche Nähe zu erfahren.

Mein alter Glaube, dass keine Frau mich jemals anfassen möchte, hat sich nun endgültig erledigt. ich weiß nun, dass ich liebenswert und der Liebe wert bin.

Damit ist mir ein großer Schritt ins neue Leben gelungen und Biodanza hat mich ein Stück weit geheilt. Doch ich bin noch lange nicht am Ziel.

Hier geht es weiter zu Teil 11!

Sie können mich auch unter adrian(dott)durstbusch(ätt)web(dott)de erreichen.